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Ärger des Monats

5. September 2012

Coach-Geschwurbel

Klappern gehört zum Handwerk. Auch Coaches müssen sich verkaufen, ihre Kompetenz hervor- und sich von der Masse abheben. Doch warum können immer mehr Coaches nicht einfach mal angeben, woher sie ihre Weisheit und ihr Können haben? Ein kompakter Lebenslauf mit Studienabschluss und Berufsstationen, Hinweise auf Coaching-Aus- oder Weiterbildungen und die persönliche Arbeitsweise gehören eigentlich zum Standard. Doch genau das sucht man auf immer mehr Websites vergeblich. Gefragt ist heute offenbar möglichst sinnentleertes und allgemeines Geschwurbel kombiniert mit einem oft schon unerträglichen Maß an Selbst-PR. Natürlich gibt es jede Menge unseriöser Coaches, die schwafeln müssen, weil sie nichts anderes zu bieten haben. Allein mit ihren Beispielen könnte man ein ganzes Buch füllen. Doch das Prinzip „Geschwurbel statt Fakten“ wird auch bei durchaus seriösen Coaches immer beliebter.

So heißt es zum Beispiel bei Dorothee Echter, seit langem selbst ernannter Top-Coach: Sie „ist als Topmanagement Beraterin weltweit tätig. Sie verfügt über das exklusive, erfahrungsbasierte Wissen, wie im Topmanagement Einfluss, Reputation und Erfolg entstehen und wachsen. Rund um den Globus schätzen Entscheider diese seltene Expertise zu den komplexen Machtdynamiken, die an der Spitze von Wirtschaft und Politik wirken.“ Hat Frau Echter nichts gelernt oder warum betont sie nur ihre Erfahrung? Und ob man in Uganda, Bolivien oder Singapur auch schon was von ihr gehört hat?

Eine schier unerschöpfliche Quelle für inhaltlose Aussagen auf Spitzenniveau bieten die Coaches bei der Redneragentur Speakers Excellence. Gabriele Böhm zum Beispiel ist „multitalentierte und charismatische Querdenkerin, gehört mit fast 20 Jahren Erfahrung und jährlich weit über 100 Seminartagen zu den erfolgreichsten Powerfrauen im Firmen- und Führungskräfte-Coaching!“ Zudem ist sie eine „authentische und interdisziplinäre Naturwissenschaftlerin“ und „einzigartig in ihrem Esprit und feinsinnigem Witz“. Ihr Witz ist offenbar besonders wichtig.

Auch Sabine Asgodom ist CSP. Das steht für „Certified Speaking Professional“, also einen Redner mit Zertifikat. „Sabine Asgodom kennt viele Verfahren, Ihnen in Veränderungsprozessen die richtigen Fragen und die passenden Lösungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. Sie wählt daraus das jeweils passende aus – multi-modal-eklektizistisch würden Left-brainer diese Methode nennen“, schreibt sie auf ihrer Website. Und ich dachte immer, ein Grundsatz im Coaching wäre es, dass der Coachee selbst die für ihn passende Lösung findet. Doch Selbst-PR ist das Gebot der Stunde. So hat die gelernte Journalistin zwar einen ausführlichen Lebenslauf mit ihren schier unendlichen Erfolgen auf ihre Website gestellt, nur zur Coach-Qualifikation findet man so gut wie nichts. Da heißt es lapidar: „Rund 15 Jahre Coaching-Praxis und der reiche Erfahrungsschatz des Lebens und Arbeitens sind die Basis.“

Toll auch die Angaben bei Slatco Sterzenbach. Ein persönliches Coaching, das auf den „neuesten Erkenntnisse der Quantenphysik und Epigenetik“ basiert, bedeutet „LEBENSKRAFT“ (groß geschrieben!) und dann weist der Sportwissenschaftler noch darauf hin: „über 500 gelesene Fachbücher zu den Themen Motivation, Ernährung, Training, Entspannung und Mentaltraining“ – wenn das keine überzeugende Qualifikation für einen Coach ist.

Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger,
Chefredakteurin von Wirtschaftspsychologie aktuell,
spürt Absurditäten, Absonderlichkeiten und Fehltritte in der HR-Welt auf


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