Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Strategie: Selbstpräsentation beim Einstellungsinterview

25. Januar 2010

Den Interviewer im Einstellungsgespräch anlächeln – ist diese Strategie erfolgreich? Viel wurde schon über Selbstpräsentationtechniken im Bewerbungsinterview gemutmaßt. Nun haben Murray Barrick von der Texas A&M University und seine Kollegen Jonathan Shaffer und Sandra DeGrassi schwarz auf weiß den Zusammenhang zwischen Selbstpräsentation und Interviewerfolg festgehalten – in der letzten Ausgabe des Journal of Applied Psychology. In einer Metaanalyse werteten die Autoren die bisherigen Studien dazu aus.

Selbstpräsentationstechniken

Wie sehen diese Selbstpräsentationstechniken genau aus? Die Autoren bündelten die einzelnen Taktiken zu drei Kategorien: Erscheinungsbild, Impression Management und sonstiges Verhalten.

Das Erscheinungsbild steht für die physische Erscheinung, im Einzelnen:

  • Gepflegtes Äußeres
  • angemessene Kleidung
  • persönliche Hygiene

Das Impression Management umfasst die Informationen, die vom Bewerber gezielt übermittelt werden, um sich selbst besser darzustellen:

  • Sein Verhalten als mustergültig darstellen
  • Sich selbst als Ursache für positive Ereignisse darstellen
  • Bestimmte Ereignisse besonders positiv darstellen
  • Die eigenen Qualitäten hervorheben
  • Dem Interviewer schmeicheln
  • In der Meinung mit dem Interviewer konform gehen
  • Dem Interviewer einen Gefallen tun
  • Hilflosigkeit bei unerwünschten Ereignissen vorgeben

Das sonstige Verhalten enthält verbale und nonverbale Taktiken, die im Gegensatz zum Impression Management nicht mit Inhalten versehen sind:

  • Redefluss und Eloquenz
  • Abstand zum Gegenüber
  • Nonverbales Verhalten: Lächeln, Augenkontakt, Nicken, Gesten

Erfolg der Selbstpräsentation

Insgesamt zeigte sich, dass die Strategien maßgeblich zum Erfolg des Interviews beitragen. Am stärksten hing das Erscheinungsbild mit der Interviewbewertung zusammen (r = .53), gefolgt vom Impression Management (r = .47) und sonstigem Verhalten (r =.40), die ihrerseits den Interviewprozess positiv beeinflussten. Die Effekte lagen damit im mittleren Bereich.

Zudem zeigte sich, dass diese Effekte ausgehebelt werden können, wenn das Interview hochstrukturiert ist. Im Vergleich zu niedrig strukturierten Interviews sinken im hoch strukturierten die Zusammenhangsmaße beim Erscheinungsbild von .88 auf .18, beim Impression Management von .46 auf .21 und beim sonstigen Verhalten von .69 auf .37.

Bei der Untersuchung kam auch heraus, dass die Selbstdarstellungstechniken zwar den Interviewerfolg vorhersagen, nicht aber die spätere Arbeitsleistung. Die Zusammenhangsmaße sinken hier auf .14 bis .23.

Strukturierte Interviews

Nach diesen Ergebnissen hätte ein Bewerber mit tadellosem Erscheinungsbild in einem unstrukturieren Vorstellungsgespräch gute Aussichten auf eine vorteilhafte Bewertung.

Wie lässt sich aus Sicht des Interviewers vermeiden, dass allein das Impression Management des Kandidaten die Bewerberauswahl beeinflusst? Die Autoren raten hier, in jedem Fall strukturierte Interviews einzusetzen. Zudem sollten dem Interviewer Selbstpräsentationstendenzen im Vorstellungsgespräch bekannt sein. Schließlich kann es sinnvoll sein, ein Telefoninterview einzubauen, bei dem die Attraktivität eines Kandidaten nicht ausschlaggebend ist.

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Weiterführende Informationen:

Barrick, Murray R., Shaffer, Jonathan A. & DeGrassi, Sandra W. (2009). What you see may not be what you get: Relationships among self-presentation tactics and ratings of interview and job performance. Journal of Applied Psychology, 94, 1394-1411. Zum Abstract.

Mehr zu Einstellungsinterviews in der Ausgabe „Eignungsdiagnostik“

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