Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Strategie: Psychische Folgen der Arbeitslosigkeit eindämmen

17. Juni 2009

Die psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit stehen seit den 1970er Jahren ganz oben auf der Agenda von Forschung und Politik. In den letzten Jahren kamen mehrere Metaanalysen hinzu, die die bisherigen Ergebnisse zusammenfassten.

Umfangreiche Metaanalyse

Nun haben Karsten Paul und Klaus Moser von der Universität Erlangen-Nürnberg in der bislang umfangreichsten Metaanalyse den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und psychischen Störungen nochmals unter die Lupe genommen und im Journal of Vocational Behavior veröffentlicht.

Sie werteten insgesamt 323 Studien aus. Darunter waren 86 Studien, die die Betroffenen über mehrere Messzeitpunkte hinweg begleiteten. Mit diesen Längsschnittstudien ist erstmals eine klare Aussage zu Ursache und Wirkung möglich, die bislang nicht gesichert war: Arbeitslosigkeit führt nachweislich zu psychischen Störungen wie Angst, Depression, psychosomatischen Symptomen, geringes Wohlbefinden und Selbstwertgefühl.

Ergebnisse

Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung sind:

  • Der Verlust des Arbeitsplatzes führt mit mittlerem Effekt zu psychischen Störungen (d = .54).
  • Besonders häufig entwickeln Männer und Arbeiter (im Vergleich zu Angestellten) psychische Symptome bei Arbeitslosigkeit.
  • Auch Länderunterschiede gibt es. Das Risiko einer psychischen Störung nach Arbeitslosigkeit ist besonders in Staaten mit geringem Bruttoinlandsprodukt, schlechten sozialen Sicherungssystemen und großen Gehaltsunterschieden hoch.
  • Die kausale Wirkungsrichtung, dass Arbeitslosigkeit zu seelischen Störungen führt, zeigt sich auch in der Umkehrung: Bei ehemals Arbeitslosen, die wieder einen Job gefunden haben, nehmen die psychischen Symptome rapide ab.

Strategien

Welche Strategien gibt es, die psychischen Folgen der Arbeitslosigkeit einzudämmen?

  • Bildungs- und Beschäftigungsberatung. Fort- und Weiterbildung führen dazu, dass die Fachkompetenzen des Arbeitssuchenden ausgebaut werden. Damit wiederum steigt die Wahrscheinlichkeit, einen qualifizierten Job zu finden. Die Autoren empfehlen daher, arbeitslosen Klienten mit psychischen Symptomen von vornherein eine Bildungs- und Beschäftigungsberatung anzubieten. Gezielte Fördermaßnahmen und die strukturgebende Funktion eines Arbeitsplatzes führen nachweislich zu mehr Wohlbefinden.
  • Psychosoziale Stabilisierung. Erwerbslose sehen sich oft einer Vielzahl von Problemen ausgesetzt. Neben den psychischen Folgen kommen häufig Verschuldung oder Anpassungsstörungen hinzu. Hier setzten Maßnahmen an, die im Gespräch oder in Übungen die Probleme und konkrete Handlungsmöglichkeiten angehen. Da Arbeiter von den psychischen Folgen der Arbeitslosigkeit besonders betroffen sind, ist es wichtig, dass sie explizit in Beratungsprogramme einbezogen werden.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Paul, K. I. & Moser, K. (2009). Unemployment impairs mental health: Meta-analyses. Journal of Vocational Behavior, 74, 264-282. Zum Abstract.

Foster, C. (1991). “Because no man hath hired us”: A study of the impact of unemployment on mental health through the analysis of linear structural relationships. Unpublished doctoral dissertation. Waltham, MA: Brandeis University.

Murphy, G. C. & Athanasou, J. A. (1999). The effect of unemployment on mental health. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 72, 83-99.

McKee-Ryan, F. M., Song, Z., Wanberg, C. R. & Kinicki, A. J. (2005). Psychological and physical well-being during unemployment: A meta-analytic study. Journal of Applied Psychology, 90, 53-76.

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