Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Strategie: Individuelle Vereinbarungen

26. Mai 2009

Arbeiten wird immer individueller. Damit haben auch immer mehr Mitarbeiter das Bedürfnis, persönliche Absprachen mit ihrem Chef zu treffen.

I-deals

Denise Rousseau von der Carnegie Mellon University erforscht schon seit mehreren Jahren diese individuellen Vereinbarungen, oder i-deals (idiosyncratic deals). Gerade hat sie zusammen mit ihren Kollegen zwei Studien veröffentlicht: eine im Journal of Applied Psychology zu den Zusammenhängen zwischen individuellen Absprachen und der Meinung von Kollegen und eine im Journal of Vocational Behavior, die bestimmte Deals hinsichtlich Arbeitszeit oder Karriere analysiert. Die Ergebnisse:

  • Individuelle Absprachen werden vom Kollegen eher toleriert, wenn man mit ihm befreundet ist und das Arbeitsumfeld generell die zwischenmenschlichen Beziehungen anstatt reine ökonomische Zwänge betont. Wenn Mitarbeiter selbst in Zukunft die Möglichkeit zu eigenen Absprachen sehen, bewerten sie bestehende Absprachen positiver.
  • Individuelle Absprachen, die die eigene Karriere betreffen, werden häufiger in Berufen getroffen, die die Mitarbeiterbeziehungen betonen. Absprachen zur Arbeitszeit stehen bei Berufen im Vordergrund, die vor allem wirtschaftlich ausgerichtet sind.

Individuelle Absprachen im Arbeitsalltag

Für die Praxis empfehlen die Autoren:
  • Individuelle Absprachen können als wirksames Instrument bei der Personalarbeit eingesetzt werden.
  • Vor dem umfassenden Einsatz in mehreren Abteilungen kann aber eine Beratung durch Personalexperten, die sich mit individuellen Verträgen auskennen, sinnvoll sein.
  • Die Betonung von Teamgeist und Mitarbeiterbeziehung bewirkt, dass individuelle Absprachen von den meisten Kollegen akzeptiert werden.
  • Wenn Absprachen mit einzelnen Mitarbeitern getroffen werden, sollte man auch den anderen signalisieren, dass dies für sie zukünftig eine Option sein kann.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Lei Lai, Denise M. Rousseau & Klarissa Ting Ting Chang (2009). Idiosyncratic deals: Coworkers as interested third parties. Journal of Applied Psychology. 94 (2), 547-556.

Denise M. Rousseau, Severin Hornung & Tai Gyu Kim (2009). Idiosyncratic deals: Testing propositions on timing, content, and the employment relationship. Journal of Vocational Behavior, 74 (3), 338-348.

Mehr zu Vereinbarungen in der Ausgabe "Talentmanagement"

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