Strategie: Diversity-gerechte Personalauswahl
Bei der Planung einer Eignungsdiagnostik, die auf die Vielfalt der Mitarbeiter abzielt, stehen viele Personalmanager oft vor einem Dilemma. Denn hohe prädiktive Validität und große Diversity können sich als Selektionsziele widersprechen. So sagen kognitive Leistungstests (z.B. Intelligenztests) die Arbeitsleistung sehr gut voraus, bevorzugen aber Personen mit weißer Hautfarbe aufgrund teilweise großer Gruppenunterschiede in den Mittelwerten von bis zu einer Standardabweichung. Adverse ImpactIn den USA verlangen die "Uniform Guidelines" beispielsweise, dass Auswahlverfahren die 4/5-Regel erfüllen. Das heißt, die Selektionsrate (der Anteil der ausgewählten Bewerber an allen Bewerbern) von Gruppen mit bestimmter Hautfarbe, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung etc. darf 80 Prozent der Gruppe mit der höchsten Selektionsrate nicht unterschreiten. Andernfalls hat das Auswahlverfahren einen "Adverse Impact“ und ist diskriminierend. Lösung für ZielkonfliktAls Lösung für diesen Zielkonflikt, einerseits eine hohe Test-Performanz zu gewährleisten und andererseits möglichst vielfältige Teams zusammenzustellen, wurden alternative Messmethoden, z.B. in Form von Integritäts-Tests, vorgeschlagen, die eine ähnlich gute Validität wie Intelligenztests haben, aber kaum gruppenbezogen selektieren. Mehrstufiger AuswahlprozessDavid Finch, Bryan Edwards und Craig Wallace schlagen als Lösung für das Dilemma einen mehrstufigen Auswahlprozess vor und haben dafür in der aktuellen Ausgabe des Journal of Applied Psychology eine umfangreiche Monte-Carlo-Simulation vorgelegt. Sie haben 43 Selektionsstrategien mit mehreren Stufen, Einzeltests und Kontextbedingungen konstruiert und deren Performanz sowie ihre Diskriminierungstendenz getestet. Als Einzeltests berücksichtigten sie (mit den metaanalytisch von Bobko et al., 1999, ermittelten Validitäten):
Drei nichtdiskriminierende StrategienVon
den 43 Selektionsstrategien ermittelten sie neun, die eine Balance
zwischen guter Validität und geringer Diskriminierungstendenz
aufweisen. Bei den drei folgenden ist es statistisch gesichert, dass
sie die 4/5-Regel einhalten werden und nicht diskriminierend sind:
Worauf Personaler achten solltenDie Studie ist die derzeit umfangreichste Simulation
dieser Art und zeigt Personalmanagern konkrete Strategien für eine
diversity-gerechte Personalauswahl auf. Folgende generelle Aspekte
sollten dabei berücksichtigt werden:
Wirtschaftspsychologie-aktuell.de Weiterführende Informationen: Philip Bobko, Philip L. Roth & Denise Potosky (1999). Derivation and implications of a meta-analytic matrix incorporating cognitive ability, alternative predictors, and job performance. Personnel Psychology, 52 (3), 561–588. Equal Employment Opportunity Commission et al. (1978). Adoption by four agencies of uniform guidelines on employee selection procedures. Federal Register, 43 (166), 38290–38315. Zum Beitrag. David M. Finch, Bryan D. Edwards, J. Craig Wallace (2009). Multistage selection strategies: Simulating the effects on adverse impact and expected performance for various predictor combinations. Journal of Applied Psychology, 94 (2), 318-340. Mehr zu Personalauswahl in der Ausgabe "Eignungsdiagnostik" Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell |
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