Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Strategie: Informationen besser austauschen

23. April 2009

Schon 1985 zeigten Garold Stasser und William Titus, dass bei Gruppendiskussionen vor allem Informationen ausgetauscht werden, die schon allen bekannt sind. Neue Informationen werden hingegen zurückgehalten. Besonders für Teams in der Forschung und Entwicklung, die auf die schnelle Zirkulation neuer Ideen angewiesen sind, war das ein alarmierendes Ergebnis. Doch wie sieht es heute aus? Konnten die damaligen Ergebnisse bestätigt werden? Wie lassen sich Informationen in Arbeitsgruppen besser austauschen?

Neue Metaanalyse

Jessica Mesmer-Magnus von der University of North Carolina Wilmington und Leslie DeChurch von der University of Central Florida haben zu diesen Fragen gerade eine Metaanalyse im Journal of Applied Psychology vorgelegt. Sie untersuchten in 72 unabhängigen Studien die Zusammenhänge zwischen Informationsaustausch und Arbeitsleistung.

Guter Informationsaustausch ist nützlich

Informationsaustausch ist dabei so zu verstehen, dass neue, einzigartige Informationen allen Teammitgliedern mitgeteilt werden. Damit wächst deren Wissenspool, was wiederum zum Teamerfolg beiträgt. Dementsprechend konnten die Autorinnen feststellen, dass ein guter Informationsaustausch mit einer besseren Gruppenleistung (r = .42), einem besseren Gruppenzusammenhalt (r = .20), mit Mitarbeiterzufriedenheit (r = .33) und Wissensintegration (r = .34) einhergeht. In der Metaanalyse bestätigte sich auch der Befund von Garold Stasser und William Titus: Teammitglieder sprechen untereinander vor allem über längst Bekanntes.

Informationsaustausch mit Köpfchen

Wie lässt vor diesem Hintergrund der Informationsaustausch in Teams verbessern? Die Autorinnen schlagen folgende Strategien vor:

  • Aufgaben verständlich machen. Über anschauliche Aufgaben lässt sich leichter sprechen als über abstrakte. Wenn z.B. in einem Call-Center-Team mehr Abschlüsse erzielt werden sollen, müssen dieses Ziel (Auftragseingänge pro Woche) und die dazu führenden Maßnahmen (Fragetechniken am Telefon verbessern) konkret benannt werden.
  • Gruppendiskussionen strukturieren. Durch gezieltes Fragen („Welche Informationen liegen dir dazu vor?“) lassen sich ohne Umschweife unbekannte Fakten dingfest machen. Voraussetzung dafür ist ein versierter Moderator, der um die Kommunikationshemmnisse in Gruppen weiß. Er unterteilt die Gruppendiskussion in Themenblöcke und stößt mit Fragen den Informationsaustausch an.
  • Für ein kooperatives Klima sorgen. Konkurrenzdenken lähmt den Informationsfluss. Wenn Mitarbeiter denken, andere könnten sie übertrumpfen, halten sie auch mit ihren wertvollen Informationen hinterm Berg. Die Teammitglieder müssen daher ein Gefühl entwickeln, dass sie im Team geschätzt werden und sich selbst mit Teamgeist aktiv einbringen.
  • Den Informationsfluss anregen. Informationsfluss kann es nur geben, wenn überhaupt neue Informationen vorliegen. Ein Techniker in einem Produktentwicklungsteam, der sich unabhängig von den anderen Teammitgliedern in anderen Bereichen des Unternehmens bewegt, sorgt z.B. in seiner Expertenfunktion für neue Infos. Die Wahrscheinlichkeit ihres Austauschs steigt, wenn die Kollegen darüber proaktiv informiert werden. Das kann durch Handouts, Vorgespräche zu einem Meeting oder durch eine bewusste Informationsstrategie, die der Experte verfolgt, geschehen. Zudem sollten vom Teamleiter immer wieder die gemeinsamen Ziele betont werden, da sich gezeigt hat, dass Mitarbeiter, die ähnliche Absichten haben, mehr Informationen austauschen.

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Weiterführende Informationen:

Jessica R. Mesmer-Magnus, Leslie A. DeChurch (2009). Information sharing and team performance: A meta-analysis. Journal of Applied Psychology, 94, 535-546. Zum Beitrag (PDF).

Garold Stasser, William Titus (1985). Pooling of unshared information in group decision making: Biased information sampling during discussion. Journal of Personality and Social Psychology, 48, 1467-1478.

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