Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Strategie: Personalisierung in Job-Portalen

5. März 2009

Längst hat die Personalisierung Einzug in Job-Portalen gehalten. Man kann sich sein eigenes Profil anlegen, seinen Lebenslauf hochladen, mit Gleichgesinnten kommunizieren oder sich passende Stellenanzeigen zusenden lassen.

Personalisierte Stellenanzeigen

Brian Dineen von der University of Kentucky und Raymond Noe von der Ohio State University zeigen in ihrem aktuellen Beitrag im Journal of Applied Psychology, wohin die Reise zukünftig bei der Personalisierung gehen kann. Es gibt nicht nur auf die User zugeschnittene Zusatzfeatures, sondern die Online-Stellenanzeigen selbst werden personalisiert angezeigt.

Dadurch sollen sich weniger, aber geeignetere User auf die ausgeschriebene Stelle bewerben. Zur personalisierten Darstellung der Stellenanzeigen sind folgende Schritte notwendig:

  • Die potenziellen Bewerber legen ihr eigenes Profil an. Ihre Fähigkeiten, Bedürfnisse und Werte, die für die spätere Passung wichtig sind, werden ermittelt. Die Angaben sollten dabei besser anonym erfolgen, damit der User ehrlich antwortet und nicht das Gefühl hat, mit seinen Angaben "durchleuchtet“ zu werden.
  • Die Stellenanzeigen müssen personalisierte Textbereiche aufweisen wie z.B. das Anforderungsprofil. Entsprechend durch die in den Bewerberprofilen festgelegten Attribute werden diese Textbereiche individualisiert angezeigt. Den Fähigkeiten, Bedürfnissen und Werten des Bewerbers entsprechen dann die Anforderungen, Befriedigungspotenziale und Werte des Unternehmens.

Informationen in der Stellenanzeige

Dineen und Noe variierten in ihrem fiktiven Job-Portal die Anzeige einer Passungsinformation und die Reihenfolge der Stelleninformationen. Sie testeten dann bei insgesamt 348 Studenten die Bereitschaft, sich auf diese maßgeschneiderten Stellenausschreibungen zu bewerben.

Bei einigen Testpersonen waren Passungsinformationen eingeblendet (z.B. „Ihre Fähigkeiten stimmen zu 50% mit den geforderten Fähigkeiten der Stelle überein.“), bei anderen nicht. Einige erhielten die Stelleninformationen in der Reihenfolge ihrer Präferenzen (z.B. wurden zunächst die Unternehmenswerte aufgeführt, wenn diese einem besonders wichtig waren), bei den übrigen war die Reihenfolge dieser Informationen zufällig.

Mehr Information, bessere Passung

Die Ergebnisse: Wenn Passungsinformationen gegeben wurden, war auch die objektive Passung zwischen Bewerbern und Stellenprofil größer. Wenn die angezeigten Stelleninformationen den Präferenzen entsprachen, war der Bewerberpool ebenfalls objektiv passender.

Die Vorteile für Bewerber wie für Unternehmen liegen bei personalisierten Stellenanzeigen auf der Hand. Bewerber vermeiden damit aufwendige Bewerbungen für eine Stelle, die nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Die Unternehmen müssen weniger Bewerbungen bearbeiten, die dafür aber besser passen.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Brian R. Dineen, Raymond A. Noe (2009). Effect of customization on application decisions an applicant pool characteristics in a web-based context. Journal of Applied Psychology, 94, 224-234. Zur Zeitschrift.

Mehr zu Job-Portalen in der Ausgabe "Talentmanagement"

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