Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
Strategie der Woche: Kreativität

16. Dezember 2008
Die Hoffnung auf kreative Problemlösungen ist ungebrochen. Wohlstand, Zeitgeist und Krisen erfordern immer wieder Innovationen auf hohem Niveau. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist Kreativität. Kreativität ist die Fähigkeit, neue Ideen zu entwickeln, die zugleich neuartig und nützlich sind. Die entscheidende Frage lautet: Lässt sich die eigene Kreativität trainieren – auch wenn man nicht mit dem Genie eines Leonardo da Vinci gesegnet ist? So viel schon vorweg: Ja, es ist möglich, aber es hängt vom Trainingsansatz ab. Derzeit gibt es über 70 Kreativitätstechniken, die häufig in Trainings eingesetzt werden. Grob lassen sich intuitiv-explorative von systematisch-analytischen Techniken unterscheiden. Ein klassisches Beispiel für intuitiv-explorative Verfahren ist das Brainstorming. Hierbei werden in einer Gruppe ohne kritische Einwände und innere Zensur möglichst viele Ideen gesammelt. Als systematisch-analytische Technik ist der morphologische Kasten bekannt geworden. Dabei sind zu einem Problem (z.B. Functional Food) alle Parameter (z.B. Art des Nahrungsmittels, Aroma, Gesundheitswert) und zu diesen Parametern die Ausprägungen zu ermitteln (z.B. für Art: Joghurt, für Gesundheitswert: Beruhigung). Schließlich kombiniert man alle möglichen Ausprägungen miteinander, sodass z.B. ein Joghurt zur Beruhigung als kreatives Produkt herauskommt. Um diese morphologische Analyse gewinnbringend durchzuführen, muss man hinsichtlich der Fragestellung über genügend Expertise verfügen und viel Zeit fürs Durchspielen aller Kombinationen mitbringen.

Ginamarie Scott und ihre Kollegen von der University of Oklahoma stellten 2004 in der bislang ausführlichsten Metaanalyse zur Wirksamkeit von Kreativitätstrainings fest, dass sich analytische Techniken besser zur konstruktiven Lösungsfindung eignen als intuitive. Das liegt in der Natur der Sache. Während intuitive Techniken vor allem die Perspektive erweitern und zu ungewöhnlichen Ideen führen, hat man beim analytischen Vorgehen eher die konkrete Problemlösung im Blick. Die Ansätze unterscheiden sich dabei hinsichtlich der Inhalte, die trainiert werden sollen. Die Inhalte lassen sich nach den Phasen des kreativen Prozesses bestimmen:

  • das Problem entdecken
  • Informationen zum Problem und zur Problemlösung suchen und bewerten
  • Konzepte, die mit dem Problem zu tun haben, suchen und kombinieren
  • Ideen zur Problemlösung generieren und bewerten
  • einen Lösungsansatz entwickeln und dessen Umsetzung planen
  • den Lösungsansatz umsetzen und anpassen und
  • diese Umsetzung steuern und ihren Erfolg bewerten

Mit einem Training können dementsprechend entweder die Problementdeckung, die Informationssuche, die Ideengenerierung, die Umsetzungsplanung oder die Erfolgskontrolle besonders eingeübt werden. Für eine gute Problemlösung sind drei Phasen erfolgskritisch: die Problementdeckung, die Informationssuche und die Ideengenerierung. Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass sich ein Kreativitätstraining allemal lohnt. Das Denken in neue Richtungen (divergentes Denken) wird gefördert, die Qualität der Problemlösungen nimmt zu, kreative Produkte werden kreiert und kreative Einstellungen gefestigt. Und das alles mit großer Effektstärke: „Not only was a large effect size obtained in the overall analysis but sizable effects were observed for each of the four major criteria applied in evaluating training – divergent thinking, problem solving, performance, and attitudes and behavior.” (p. 381)

Mehr zu Kreativität und Innovation.

tf – Quelle: Scott, G., Leritz, L. E. & Mumford, M. D. (2004). The effectiveness of creativity training: A quantitative review. Creativity Research Journal, 16, 361-388.

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