Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
Strategie der Woche: Gesundheitsmanagement

9. Dezember 2008
Ein integriertes Gesundheitsmanagement im Unternehmen aufzubauen, ist eine Herausforderung ganz eigener Art. Die entsprechende Projektgruppe muss mit allen Abteilungen gut zusammenarbeiten. Die Ziele sollten im Unternehmensleitbild verankert sein. Messbare Erfolge wie Senkung der Krankentage oder Ergebnissteigerungen in der Produktion müssen die Kosten rechtfertigen. Mit anderen Unternehmensprozessen gibt es zahlreiche Überschneidungen: Unternehmensstrategie, Organisationskultur, Personal- und Organisationsentwicklung, Arbeits- und Unfallschutz oder Stressprävention – alle diese schon bestehenden Aktivitäten oder Ziele müssen ins Gesundheitsmanagement eingebunden und gegebenenfalls neu organisiert werden. Aus der Best Practice zum integrierten Gesundheitsmanagement – wie zum Beispiel bei E.ON Ruhrgas, Ciba Vision oder W. L. Gore & Associates – lassen sich folgende Komponenten für ein integriertes Gesundheitsmanagement ableiten:

  • Verankerung des Gesundheitsmanagements im Unternehmen durch eine Steuerungsgruppe, die die Aktivitäten koordiniert, die Interventionsziele und Interventionsmethoden festlegt, und mit der Personalabteilung und der Geschäftsführung zusammenarbeitet
  • Gesundheitsfördernde Seminare wie Ernährungsberatung, Nichtraucherkurse, Rückenschule oder Ergonomie-Schulungen
  • Unterstützung von sportlichen Aktivitäten durch Betriebssportgruppen oder eine Kooperation mit einem Fitness-Studio
  • Ärztliche Dienste durch einen Betriebsarzt, Kooperation mit niedergelassenen Ärzten, Check-ups und Vorsorgeuntersuchungen zu Bluthochdruck, Darmkrebs, Cholesterinwerten oder Brustkrebs
  • Bereitstellung gesundheitsfördernder Informationen zum Beispiel übers Intranet zu Themen wie Stressbewältigung, arbeitsbezogene Erkrankungen oder psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz
  • Optimierung der Arbeitsprozesse durch bessere Organisation der Aufgaben und Tätigkeiten
  • Maßnahmen zum Arbeitsschutz und zur Unfallverhütung bezogen auf Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitszeitregelung etc.
  • Gesundheitsfördernde Anreizsysteme wie zum Beispiel Gesundheitsgutscheine bei besonders gesundheitsbewusstem Verhalten
  • Erfolgskontrolle durch Mitarbeiterbefragungen, Krankentage, Krankenquote und Unfallraten

Aus empirischer Sicht sind vor allem Seminare oder Trainings, die sich direkt an die Mitarbeiter im Unternehmen richten, mit mittleren Effektstärken wirksam. Kognitiv-behaviorale Ansätze, die eine positive Sichtweise und neue Verhaltensweisen vermitteln, und multimodale Ansätze, die verschiedene Methoden miteinander verbinden, tragen besonders zur Stressreduktion und Gesundheitsförderung bei. Die Ergebnisse zu Maßnahmen, die in erster Linie die Arbeitsbedingungen verbessern, sind hingegen heterogen. Eva Bamberg und Christine Busch schlussfolgern in ihrem Review „Stressbezogene Interventionen in der Arbeitswelt“ von 2006 in der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, dass der Erfolg solcher Interventionen, die die Arbeitsgestaltung einbeziehen, davon abhängt, ob sich die Mitarbeiter mit ihren gesundheitsbezogenen Problemen dabei direkt angesprochen und aufgehoben fühlen.

Zum Themenschwerpunkt Gesundheit der Wirtschaftspsychologie aktuell.

tf – Quelle: Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie

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