Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
Strategie der Woche: Selbstmanagement

26. November 2008
Endlich gesünder leben. Endlich die Strategieplanung fürs nächste Jahr machen. Ist Ihr Wunschzettel für einen perfekten Jahres-Endspurt auch ziemlich lang? Und Sie hadern mit Ihrem inneren Schweinehund? Dann scheint Selbstmanagement die letzte Rettung. Edel und rein lodert dieser Begriff über den Untiefen beredter Trainingsangebote. Aber ist Selbstmanagement wirklich mehr als ein selbstgefälliges Versprechen?

Schon seit den 1960ern ist man über Selbstverstärkungsmechanismen im Bilde. David Premack zeigte z.B., dass Verhaltensweisen mit hoher Präferenz (z.B. Kaffeetrinken) als Verstärker für Verhaltensweisen geringer Präferenz (z.B. Ablage machen) dienen können. Wenn Sie also diszipliniert sind und bei ihren kleinen alltäglichen Verrichtungen daran denken: „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen!“, handeln sie wissenschaftlich fundiert nach dem Premack-Prinzip.

Ein anderes Prinzip ist die Stimulus-Kontrolle. Oft lösen kleinere Stimuli eine Kaskade unerwünschter Handlungen oder Gefühle aus. Bei einer neu eingegangenen E-Mail unterbrechen wir unseren Arbeitsfluss. Gerade im Büro angekommen wird gleich der schwierigste Kunde angerufen. Die neuesten Reports verhageln einem den halben Nachmittag. Solche Stimuli kann man steuern und sich z.B. für den Tag feste Zeiten einrichten, in denen man schwierige Kundenanfragen löst oder seine E-Mails beantwortet.

Professor Hugo Kehr von der Technischen Uni München geht davon aus, dass es implizite Motive (unbewusste Wünsche und Bedürfnisse) und explizite Motive (bewusste Ziele und rationale Erklärungen) gibt. Wenn implizite und explizite Motive im Widerstreit liegen, ist Selbstmanagement notwendig. Wenn Ordnung am Arbeitsplatz das A und O ist, aber man insgeheim die Dinge lieber schleifen lässt, ist solch eine Diskrepanz gegeben. Kehr rät hier zu sogenannten volitionalen Strategien. Damit werden unerwünschte implizite Verhaltensimpulse unterdrückt und explizite Motive gestärkt. Konkret kommen z.B. folgende Strategien in Frage:

  • Aufmerksamkeit kontrollieren: Man beobachtet und notiert sich die Dinge, auf die man achtet, und versucht schrittweise, sich voll und ganz auf das Problem zu konzentrieren.
  • Fantasie entwickeln: Man lässt zunächst alle negativen Gedanken Revue passieren und versetzt sich gleich darauf in seine eigene Fantasiewelt. Wenn das Problem wie das Durchschwimmen eines kühlen Waldsees im Hochsommer scheint, hält einen vermutlich nichts mehr.
  • Emotionen regulieren: Säuerliche Stimmung kommt leicht auf, wenn man ein riesiges Arbeitspensum vor sich hat. Die kleinen Feinde sind hierbei die automatischen Gedanken, die unwillkürlich kommen: „Das schaffe ich nie!“, „Warum immer ich!“ Hier hilft ein Gedankenstopp und ein rationaler Gedanke: „Ich komme zwar langsam voran, aber ich schaffe es!“ Und dann achtet man darauf, wie sich das anfühlt. Oft ist schon kurze Zeit später die negative Stimmung wie verflogen.

Mehr über Professor Hugo Kehr.

Abstract eines aktuellen Übersichtsartikels zum Selbstmanagement im Job.

tf – Quelle: TU München, Zeitschrift für Personalpsychologie

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