Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
Strategie der Woche: Bewerbungsmappe prüfen

23. September 2008
In der Praxis haben Personalmanager oft nur zehn Minuten Zeit, um die Dokumente einer Bewerbungsmappe zu prüfen. Neben Anschreiben und Lebenslauf muss eine Vielzahl von beigefügten Zeugnissen, Referenzen und ggf. Arbeitsproben gesichtet werden. Heinz Schuler, Professor für Psychologie an der Universität Hohenheim und wissenschaftlicher Leiter der S & F Personalpsychologie Managementberatung, gibt zu diesem Vorgehen folgende Hinweise:

  • Form: Zunächst werden formale Aspekte überprüft. Die Bewerbung sollte akurat, fehlerfrei und übersichtlich erstellt sein. Zu den vollständigen Unterlagen gehören Anschreiben, Lebenslauf, die Schul-, Examens-, Ausbildungszeugnisse mit Noten, Arbeitszeugnisse, ggf. Referenzen und der vorab ausgefüllte Personalfragebogen. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verzichten viele Unternehmen zunehmend auf ein Lichtbild in den Bewerbungsunterlagen. Stil und Umfang der Bewerbung sollten der zu besetzenden Position angemessen sein.
  • Anschreiben und Lebenslauf: Beides darf in einer Bewerbung nicht fehlen. Das Anschreiben sollte knapp und ansprechend formuliert sein. Der Lebenslauf muss in tabellarischer Form vorliegen. Dieser sollte danach geprüft werden, ob daraus die erwünschten zentralen Eigenschaften des Bewerbers hervorgehen und ob der Bewerber Tätigkeiten vorweisen kann, die auch später am Arbeitsplatz verlangt werden.
  • Ausbildung und Spezialkenntnisse: Der Ausbildungsverlauf wird durch die Zeugnisse dokumentiert. Schul-, Studienabschlusszeugnisse und Zeugnisse der Berufsausbildung geben das Niveau des Ausbildungserfolgs wieder. Auslandsaufenthalte werden hier ebenso überprüft wie geeignete Praktika. Spezialkenntnisse, wie Sprachen, EDV-Kenntnisse und Lehrgänge werden anhand von Zertifikaten überprüft.
  • Plausibilität: Der Lebenslauf wird hinsichtlich Plausibilität durchgegangen. Er sollte lückenlos sein und die angegebenen Zeiten sollten mit den Belegen übereinstimmen. Zudem müssen die durchlaufenen Positionen des Bewerbers einer Entwicklungslogik folgen und die Arbeitgeberwechsel nachvollziehbar sein.
  • Leistung: Schulnoten eignen sich zur Prognose weiterer Ausbildungsleistungen besonders gut (eine Validität von r=.41 für die Studienleistung). Schul-, Examens- und Ausbildungsnoten sagen generell auch den späteren Berufserfolg voraus (r=.32), wobei hier stärker Kontext und Situation berücksichtigt werden müssen. Generell gilt: Zeugnisnoten zählen zu den validesten Größen in Bewerbungsunterlagen. Zur Beurteilung der Studienleistungen sollte das Notenniveau von Hochschulen und Studienfach herangezogen werden. Bei der Bewertung der Diplomarbeit ist die Qualität ist wichtiger als das Thema.
  • Arbeitszeugnisse und Referenzen: Diese sind meist nur verlässlich, wenn sie von Fachleuten ausgestellt sind. Persönliche, d.h. mündliche Referenzen sind aussagekräftiger als schriftliche.
Nach diesen Kriterien werden Bewerbungsunterlagen systematisch geprüft. Bei Online-Bewerbungen kann ein Personalmanagementsystem Plausibilitätsprüfungen erleichtern. Fragen, die bei Sichtung der Bewerbungsunterlagen offen geblieben sind, werden fürs Bewerbungsgespräch notiert.

tf – Quelle: Schuler, H. (2000). Psychologische Personalauswahl: Einführung in die Berufseignungsdiagnostik (3. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

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