Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
Strategie der Woche: 360-Grad-Beurteilungen

17. September 2008
Wie kann ein Manager durch präzises Feedback sein Verhalten verändern? Durch 360-Grad-Beurteilungen. Die Grundidee dabei ist, dass er eine möglichst objektive Rundumbeurteilung von Personen bekommt, mit denen er täglich zu tun hat. Diese Personen sind:

  • Der direkte Vorgesetzte – er beurteilt die Arbeitsergebnisse und das Führungsverhalten der Führungskraft.
  • Externe und interne Kunden – sie schätzen die Kundenorientierung und das Verhalten ein.
  • Direkt zugeordnete Mitarbeiter – sie werden gefragt, ob sie mit dem Führungsverhalten des Eingeschätzten zufrieden sind.
  • Kollegen – sie geben Auskunft darüber, wie er sich am Arbeitsplatz verhält, ob er kooperativ, strukturiert etc. ist.
Ein Instrument, mit dem sich die Beurteilungen objektiv erfassen lassen, ist das Testinventar „Multidirektionales Feedback (MDF-360°)“ von Georg Fennekels. Dabei werden Informationen von den vier Beurteilerquellen zum Planungs- und Entscheidungsverhalten, zur sozialen Kompetenz, zur Leistung und zum Führungsverhalten erhoben. Daneben können die Fremdeinschätzungen mit der Selbsteinschätzung des Feedbacknehmers verglichen werden.

Untersuchungen bescheinigen dem 360-Grad-Feedback, dass es zu nachhaltigen Leistungssteigerungen führt. Ob es jedoch auch effizient ist, hängt vom innerbetrieblichen Aufwand ab, der sorgfältig abgewogen werden muss. Kritik gibt es auch. So wurde beobachtet, dass Führungskräfte, die sich eher unterschätzen nach dem Feedback ihre Leistung drosseln. Kritisch wird auch gesehen, dass wichtige Kontextfaktoren, wie z.B. Unternehmensklima, Stressoren oder der Arbeitsplatz, beim Feedback unberücksichtigt bleiben.
tf

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