Strategie der Woche: Das situative Interview
16. Juli 2008
Das
Einstellungsinterview ist das am häufigsten genutzte Instrument bei der
Personalauswahl. Es wird vor allem zur Endauswahl von Bewerbern, aber
auch zu deren Zwischenauswahl, z.B. für ein nachgeschaltetes
Assessment-Center, eingesetzt. Das verwendete Interviewverfahren sollte
effizient sein und valide die geeigneten und ungeeigneten Bewerber
herausfiltern. Hierzu bietet sich das
situative Interview an.
Es ist ein strukturiertes Interview, bei dem die Fragen sorgfältig
vorausgewählt wurden und die späteren Aufgaben der Stelle abbilden. Für
ein maßgeschneidertes situatives Interview sind folgende Aspekte zu
berücksichtigen:
- Im
Rahmen einer Anforderungsanalyse werden erfolgskritische Ereignisse der
Stelle zusammengetragen und daraus die Fragen abgeleitet.
- In den Fragen wird sich nur auf die
Tätigkeiten der Stelle konzentriert, vorurteilsbehaftete Fragen (z.B.
hinsichtlich Geschlecht, Alter etc.) bleiben außen vor.
- Schon ein oder zwei Interviewer sind beim
situativen Interview ausreichend, da noch mehr Bewerter die
Übereinstimmung in den Urteilen kaum steigern.
- Die Fragen sind so formuliert, dass sie sich
auf konkrete Situationen beziehen, z.B.: „Beschreiben Sie bitte eine
Situation, in der Sie…“, „Erzählen Sie mir ein Ereignis, bei dem Sie…“,
„Wann waren Sie in der Situation XY“.
- Die
Antworten des Bewerbers werden mit einer eigens dafür entwickelten
Punkteskala bewertet. Die Effizienz des Interviews lässt sich steigern,
indem das Interview z.B. nach der Hälfte bei einer nicht erreichten
Mindestpunktzahl abgebrochen wird.
- Es
wird zwischen Informationssammlung und Auswahlentscheidung getrennt.
D.h. die Antworten des Bewerbers werden direkt notiert. Die
Entscheidung wird später nach systematischer Auswertung gefällt.
- Wichtig ist, dass alle Schritte von der
Anforderungsanalyse über die Entwicklung der Punkteskala bis hin zur
konkreten Auswertung schriftlich dokumentiert werden.
Die bisher durchgeführten
Metaanalysen bescheinigen dem situativen Interview eine
durchschnittliche inhaltliche Validität von r = .45 bis .50 gegenüber
einem unstrukturierten Interview, das nur auf Werte um .20 kommt. Auch
von den Bewerbern selbst wird es gut aufgenommen, da die abgefragten
Situationen nachvollziehbar und objektiv sind. Der Bewerber kann hier
mit seinen konkreten Erfahrungen und Kompetenzen punkten und
sich
nicht bloß durch gute schauspielerische Leistungen hervortun.
tf – Quelle: Weuster, A. (2004). Personalauswahl. Wiesbaden: Gabler.
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