Strategie der Woche: Productivity Measurement and Enhancement System (ProMES)
1.
Juli 2008
Das Productivity Measurement and Enhancement
System (ProMES) – auf Deutsch: System zur Messung und Steigerung der Produktivität oder
auch Partizipatives Produktivitätsmanagement (PPM) –
wurde in den 1980er Jahren von Robert D. Pritchard entwickelt, der
Organisationspsychologie an der University of Central Florida lehrt.
Das System ist ein empirisch gut begründeter Handlungskatalog mit dem
Ziel, die Produktivität einer Arbeitsgruppe zu steigern. Produktivität
bedeutet dabei, wie effizient die Arbeitsressourcen zur Zielerreichung
eingesetzt werden. In folgenden Schritten wird das System umgesetzt:
- Ein
Projektteam wird aus 5 bis 8 Mitarbeitern gebildet, das die Umsetzung
des Systems in den einzelnen Arbeitsgruppen steuert.
- In
Absprache mit Unternehmensleitung und Arbeitsgruppe werden die Ziele
und deren Indikatoren, d.h. die messbaren Zielwerte, festgelegt.
Normalerweise werden 4 bis 6 Ziele und 8 bis 12 Indikatoren für eine
Arbeitsgruppe ermittelt.
- Dann
werden
die Kontingenzen, d.h. die Zusammenhänge zwischen Zielwert und
Effektivität, bestimmt. Ein Beispiel: Eine Ausschussquote von 15% wird
als akzeptables Minimum festgelegt und hat damit eine Effektivität von
Null. Höhere Ausschussquoten haben negative Effektivitäten bis hin zu
-100, niedrigere Ausschussquoten positive Effektivitäten bis hin zu
+100.
- Der Vorteil dieser
Kontingenzen besteht erstens darin, dass man direkt sehen kann, wenn
man sich im nicht akzeptablen Negativbereich befindet. Zweitens lassen
sich die Bereiche bestimmen, in denen eine Verbesserung am dringendsten
notwendig ist. So ist z.B. die Effektivitätssteigerung bei einer
Verringerung der Ausschussquote von 15% auf 10% größer und damit
dringender als bei einer Verringerung von 5% auf 0%, wenn die 5%-Marke
praktisch kaum unterboten werden kann.
- Nachdem
Ziele, Indikatoren und Kontingenzen festgelegt sind, wird ein
Feedback-System eingerichtet. Hierbei erhalten die Mitarbeiter
regelmäßig, d.h. normalerweise einmal im Monat, einen Feedbackbericht
mit allen Messwerten, teilweise in graphischer Form. In einer
Feedback-Sitzung wird dann besprochen, welche Maßnahmen zur
Effektivitätssteigerung im nächsten Monat umgesetzt werden sollen.
Eine aktuelle Metaanalyse, die Robert
Pritchard zusammen mit seinen Kollegen in
der Mai-Ausgabe 2008 des Journal of Applied Psychology veröffentlicht
hat, zeigt eindrucksvoll die Wirksamkeit des ProMES. Die
Maßnahmen
gehen im Durchschnitt mit einem großen Effekt einher, d.h. nach der
Intervention zählt die jeweilige Arbeitsgruppe zu den 10% der Besten.
Diese Erfolge dauern an und sind in allen Arten von Unternehmen
(Handel, Verwaltung, Industrie, Dienstleistung) möglich. Variablen, die
die Wirksamkeit des Systems positiv beeinflussen, sind das Ausmaß, mit
dem man sich am Orginalschema orientiert, und die Qualität des
Feedbacks. Negativ wird die Wirksamkeit durch häufige Änderungen des
Messsystems beeinflusst. Erstaunlich war, dass einige Größen, wie z.B.
Vertrauen, Anzahl der Mitarbeiter, Fluktuation, Komplexität,
Unterstützung durch das Management oder die Stabilität der Umgebung, in
der ein Unternehmen agiert, die Wirksamkeit des ProMES nicht
beeinflussen. Fazit: Ein Unternehmen kann gemessen an seiner
Produktivität zu den Besten aufschließen, wenn das ProMES eingesetzt
wird.
tf –
Quelle: Journal of Applied Psychology
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