Strategie der Woche:
Mitarbeiter- und Aufgabenorientierung
24. Juni 2008
Lang
ist’s her, als im Rahmen der berühmten Leadership Studies an
der
Ohio State University in den 1950er Jahren zwei zentrale Führungsstile
gefunden wurden: Consideration und Initiation of Structure.
Consideration ist das Ausmaß, mit dem bei der Zielerreichung die
Mitarbeiter einbezogen werden. Initiation of Structure beschreibt eine
Arbeitsatmosphäre, bei der die konkreten Aufgaben im Mittelpunkt
stehen. Zeitgleich mit der Ohio-Gruppe kam eine Forschergruppe an der
Michigan University zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Sie nannte die
beiden grundlegenden Dimensionen „employee centred“ und „production
centred“, womit ebenfalls Mitarbeiter-
und Aufgabenorientierung gemeint waren. Ob Ohio- oder Michigan-Tradition, die beiden
grundlegenden Führungsdimensionen zogen sich durch die gesamte
Führungsliteratur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei kam
man u.a. zu folgenden Ergebnissen:
- Mitarbeiterorientierung ist vor allem
angebracht, wenn die Mitarbeiter dazu bereit und fähig sind,
Verantwortung zu übernehmen.
- Ob
Mitarbeiter- oder Aufgabenorientierung effektiver ist, hängt von der
Situation ab.
- Wenn
die Situation – gemessen an der Vorgesetzten-Mitarbeiter- Beziehung,
der Klarheit der Aufgaben oder der Positionsmacht des Leaders – sehr
günstig oder sehr ungünstig ist, ist Aufgabenorientierung angebracht.
Bei einer weniger extremen Situation wirkt eher Mitarbeiterorientierung.
- Jedoch
kann man davon ausgehen, dass neben der Arbeitssituation noch weitere
Faktoren die Führungseffektivität beeinflussen (z.B. das Unternehmen
selbst oder die Persönlichkeit der Mitarbeiter).
Natürlich
gab es im Laufe der Jahre Kritik an dieser etwas simplen Sicht der
Führung. Es wurde moniert, dass bei der reinen Betrachtung des
Verhaltens der
positive Einfluss des Leaders außen vor bleibt, der in den Köpfen der
Mitarbeiter durch Inspiration, Motivation, intellektuelle Stimulierung
oder Vorbildfunktion seitens der Führungspersönlichkeit entsteht. Die
beiden Stile-Schubladen Mitarbeiter- oder Aufgabenorientierung sind
indes auch reizvoll. Man kann sich schnell darüber klar werden, ob man
eher auf seine Mitarbeiter zugeht oder rein auf Ergebnisse schaut, und
welche Folgen dies haben mag. Letztlich müssen sich auch charismatische
Führer daran messen lassen, inwieweit sie es verstehen, das Team zu
begeistern ohne die harten Kennzahlen aus dem Blick zu verlieren.
tf
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