Strategie der Woche: Taylor-Russell-Tafeln
18. Juni 2008
Viel
gerühmt, wenig genutzt: die Taylor-Russell-Tafeln.
Dabei gründen sie auf einen wichtigen Zusammenhang in der
Eignungsdiagnostik. Die Treffergenauigkeit eines Tests hängt danach
nicht nur von der Testvalidität – also der Vorhersagegenauigkeit für
ein bestimmtes Kriterium – ab, sondern auch von der Basisrate und von
der Selektionsrate. Bei der Bewerberauswahl ist die Basisrate der
Anteil der geeigneten Bewerber an allen Bewerbern. Die Selektionsrate
ist der Anteil der zu selektierenden Bewerber an allen Bewerbern (oder
der offenen Stellen). Die Trefferquote macht den Anteil der geeigneten
Bewerber an allen ausgewählten Bewerbern aus. Das sind also diejenigen,
die korrekterweise den Stempel „geeignet“ aufgedrückt bekommen. Die
Taylor-Russell-Tafeln listen in präzisen Zahlenkolonnen die
Trefferquoten, sortiert nach Basisrate, Selektionsrate und Validität.
Dabei gilt: Die Trefferquote ist umso höher, je höher Basisrate und
Validität sind, aber je niedriger die Selektionsrate ist.
Und
noch ein Beispiel zum Warmwerden. Gegeben sei eine Basisrate von 60%,
d.h. so viele Bewerber kann man durch bloßen Zufall richtigerweise als
geeignet auswählen. Zudem eine Selektionsrate von 10% und eine
Validität von .55. Laut Tafel liegt die Trefferquote des Testverfahrens
damit bei 92%. D.h. der Zugewinn des Verfahrens bei der Auswahl
geeigneter Bewerber beträgt gegenüber der Zufallsauswahl von 60%
immerhin 32 Prozentpunkte. Es lohnt sich also, die Zahlen „russelln“ zu
lassen und in das Tafelwerk zu schauen, bevor man einen Eignungstest
einsetzt. Beim Talentmanagement – Themenschwerpunkt 3/08 der WPa – sind
die Basisraten extrem niedrig. Entsprechend sensitiv müssen die
Auswahlverfahren sein, um echte Talente aufspüren zu können.
tf
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