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Strategie

Schlaue und Stabile an die Spitze

17. Februar 2016

Der Psychologe und Eignungsdiagnostiker Rüdiger Hossiep sagt im Interview, dass Topmanager vor allem zwei Eigenschaften mitbringen sollten: Intelligenz und Belastbarkeit. Außerdem dürfen sie keine Narzissten sein oder gar Mitarbeiter manipulieren. Das alles muss in ganztägigen Einzelassessments geprüft werden.

Auf der letzten Rille der Intelligenz

Alle Hefte im ÜberblickIn der neuen Ausgabe „Schicksalsgemeinschaft: Dynamiken in Topmanagementteams“ der Zeitschrift Organisationsentwicklung antwortet Rüdiger Hossiep von der Ruhr-Universität Bochum auf Fragen von Brigitte Winkler zur Besetzung von Spitzenpositionen in Unternehmen. Er geht dabei auf die Persönlichkeitseigenschaften von Topmanagern, das richtige Auswahlverfahren, zukünftig verlangte Fähigkeiten und die Zusammensetzung von Topteams ein.

Intelligenz und Belastbarkeit sind am wichtigsten. Spitzenmanager sollten vor allem hochintelligent und psychisch belastbar sein. Auffassungsgabe ist notwendig, um mit den vielen Veränderungen im Arbeitsleben umgehen zu können. Selbstbewusstsein und Ausgeglichenheit sind gute Stresspuffer. Außerdem sollten Führungskräfte „frei von neurotischen Tendenzen sein“. Häufig wird es vernachlässigt, die Denkfähigkeit von zukünftigen Spitzenmanagern zu prüfen. „Im Gespräch“ mit „promovierten Konstruktionsingenieuren, Physikern oder Juristen“, so Rüdiger Hossiep, „ergibt sich dann häufig, dass sie sich öffnen und bekennen kognitiv ‚auf der letzten Rille‘ unterwegs zu sein.“

„Krankenhausreif geprügelt“

Ganztägige Prüfungen für Topmanager. Obwohl Rüdiger Hossiep zugibt, dass unter Aufsichtsräten oder Geschäftsführern hinsichtlich Leitlinien für die Auswahl von Topmanagern „niemand eine Objektivierung will, weil man in seinen Entscheidungen nicht eingeschränkt werden möchte“, rät er zu einem geplanten Vorgehen. Hierfür sieht er Einzelassessments vor, die einen ganzen Tag dauern. Dabei sollten mit qualitätsgeprüften Tests die Schnelligkeit des Denkens und Persönlichkeitseigenschaften ermittelt werden. Ausgehend davon wird in Interviews die berufliche Entwicklung und die weitere Sozialisation erfasst. Damit kann geschaut werden, ob eine Person selbstverliebt, machtgierig oder manipulativ ist. Beim früheren CEO von Lehman Brothers hätte man so herausfinden können, dass er Düsenjägerpilot bei der Army war („risk-seeking“) und „seinen Vorgesetzten krankenhausreif geprügelt“ hat, so Hossiep.

Unternehmenslenker sollten mehr denken. Auf die Frage, welche Fähigkeiten bei Managern in Zukunft erfolgsentscheidend seien, antwortet Rüdiger Hossiep: „Auf oberster Ebene sollte weniger geredet und stattdessen mehr gedacht werden.“ Dieses Nachdenken muss wieder erlernt werden, damit Geschäftsführer unabhängig urteilen, den Sinn ihrer Handlungen verstehen und den Kurs der Firma festlegen können.

Der Nummer Eins widersprechen

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Unterschiedlich sein und Verschiedenheit gutheißen. Topmanagementteams sollten mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten besetzt sein. So werden Talente zusammengebracht und mögliche Konkurrenzkämpfe vermieden: „Wenn der Pilot schon ein Schnellschießer ist, wäre es sinnvoll, wenn der Co-Pilot anders gestrickt ist.“ Es braucht, so Rüdiger Hossiep, Personen im Team, die der Nummer Eins widersprechen und die den Widerspruch umsetzen. Zudem sollten viele lernen, Unterschiedlichkeit in der Persönlichkeit, im beruflichen Werdegang oder, was einen „weiblichen Führungsstil“ angeht, auszuhalten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Brigitte Winkler (2016). Im Zweifel – lieber nicht. Ein Experten-Gespräch mit Dr. Rüdiger Hossiep zur Besetzung von Top Management Positionen [Abstract]. Organisationsentwicklung, 1/2016, 11-17.

Im Themenschwerpunkt „Umgang mit Umbrüchen“ geht es um Veränderungen, Wandlungskompetenz, Mitarbeiterführung, Willensstärke, Unternehmenskultur und Karrierewechsel.

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