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Strategie

Kunsttraining verhilft zu verantwortungsvollem Führungsstil

22. Mai 2014

Kunst kann’s – zum Beispiel Chefs zu einem verantwortungsvolleren Führungsstil verhelfen, wie eine neue Studie schwedischer Forscher zeigt. Sie ließen Manager an einem kunstbasierten Training mit poetischen Texten und Musik teilnehmen. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Training wurden die kunsttrainierten Führungskräfte selbstkritischer, bescheidener und verantwortungsbewusster. Fazit: Manager, geht häufiger zu Lyriklesungen!

48 Manager trainiert

Eine Forschergruppe um Julia Romanowska vom Karolinska-Institut in Stockholm hat die Wirkung eines kunstbasierten Führungstrainings untersucht. 23 Führungskräfte erhielten dieses. Eine Vergleichsgruppe von 25 Führungskräften durchlief ein konventionelles Führungstraining. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Journal of Personnel Psychology. Wie sahen die Trainings aus?

Das kunstbasierte Führungstraining

Es umfasste 12 Sitzungen, die jeweils drei Stunden dauerten und über 10 Monate verteilt stattfanden. Jede Sitzung enthielt folgend Elemente:

Das konventionelle Führungstraining

Dieses umfasste ebenfalls 12 dreistündige Sitzungen verteilt auf 10 Monate. Die Trainingselemente:

Nach dem Training machten die Führungskräfte und ihre Mitarbeiter in einem Fragebogen Angaben zum Laissez-faire-Führungsstil und zum Umgang mit Stress. Laissez-faire-Führung war dadurch gekennzeichnet, dass ein Manager es vermied, Verantwortung zu übernehmen, in kritischen Situationen nicht handelte, keine Entscheidungen traf. Was den Umgang mit Stress betraf, so wurde der problemorientierte Umgang (z.B. Informationen einholen, schwierige Situationen klären) und der gefühlsorientierte Umgang (z.B. Neubewertung, Distanzierung, Entspannung) erfasst. Was kam heraus?

Nach Kunsttraining: Selbsterkenntnis und Verantwortungsbewusstsein

Nach dem Kunsttraining nahmen sich Führungskräfte selbst genauer wahr. Verglichen mit dem konventionellen Training stimmten die Bewertungen der Mitarbeiter und Führungskräfte hinsichtlich des Laissez-faire-Stils nach dem kunstbasierten Training besser überein. Die Gedichte und die Musik führten also zu einer genaueren Selbstwahrnehmung. Das zeigte sich auch daran, dass die Führungskräfte nach dem kunstbasierten Training bescheidener wurden, was ihre Führungskompetenzen anging. Die Teilnehmer des konventionellen Trainings überschätzten sich diesbezüglich weiterhin.

Nach dem Kunsttraining wurden Führungskräfte verantwortungsvoller. Verglichen mit dem konventionellen Training handelten die Chefs, die am kunstbasierten Training teilnahmen, danach verantwortungsvoller, entschiedener und beherzter. Sie zeigten aus Mitarbeitersicht also weniger Laissez-faire-Stil. Außerdem konnten die Teilnehmer des Kunsttrainings danach besser mit Stress umgehen als die Teilnehmer des konventionellen Trainings. Dies auch wieder aus der weniger trügerischen Sicht der Mitarbeiter.

Geht häufiger zu Lyriklesungen

Die Forscher fassen zusammen (S. 105):

„Die vorliegende Studie stellt einen neuen interdisziplinären Ansatz dar und könnte daher für die Führungskräfteentwicklung besonders interessant sein. […] Verglichen mit einem konventionellen Training scheint der kunstbasierte Ansatz effektiver zu sein, wenn es darum geht, positive Veränderungen bei Führungskräften anzustoßen.“

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Kunst setzt offenbar die Hebel der Reflexion in Gang. Man hinterfragt sich selbst und die Situation, denkt nach, wird selbstkritischer. Führungskräfte, die Gedichte hörten, wurden bescheidener und überschätzten sich nicht länger. Für ihre Mitarbeiter hatte dies den Eindruck, dass sie mehr Engagement und Verantwortung zeigten.

Ein Fazit könnte daher auch lauten: Manager, geht seltener auf den Golfplatz und häufiger zu Lyriklesungen!

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Julia Romanowska (Department of Neuroscience, Karolinska Institute, Stockholm), Gerry Larsson (Department of Safety, Strategy and Leadership, Swedish National Defence College, Stockholm) & Töres Theorell (Stress Research Institute, Stockholm University, Stockholm). (2014). An Art-Based Leadership Intervention for Enhancement of Self-Awareness, Humility, and Leader Performance [Abstract]. Journal of Personnel Psychology, 13 (2), 97-106.

Dr. Stefan Dörr weist in der Ausgabe „Leadership und Persönlichkeit“ darauf hin, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter nur dann überzeugen, wenn sie Verantwortung übernehmen und Vorbild sind.

Gegenüber schwierigen Mitarbeitern können Führungskräfte die Rolle des Motivators einnehmen, der extrinsisch (z.B. durch finanzielle Anreize) oder intrinsisch motiviert (z.B. durch Beteiligung und Lob).

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