Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Strategie

Denksitzungen in der Managerausbildung

21. November 2012

Denken hilft in der Managerausbildung. Das ist das Ergebnis eines Forschungsteams um Scott DeRue von der University of Michigan. Die Forscher führten bei einem Jahrgang von MBA-Studenten Denksitzungen ein, bei einem anderen nicht. Die angehenden Manager, die über sich und ihr Verhalten nachdachten, zeigten danach ein besseres Führungsverhalten als diejenigen, die dies nicht taten. Reflektierende Besprechungen sollten daher in keiner Managerausbildung fehlen.

Denken um zu führen

Ein Unternehmen zu führen, ist vielschichtig, beziehungsreich und schwierig. Dieses Verhalten kann man sicherlich nicht durch ein schnurgerades Studium lernen und sei es ein postgradualer Master of Business Administration (MBA). Vielleicht hilft in der Managerausbildung, wenn die Führungskräfte von morgen einfach mal anfangen nachzudenken.

Das dachte sich Scott DeRue, Assistenzprofessor für Management an University of Michigan. Zusammen mit seinen Kolleg(inn)en Jennifer Nahrgang, John Hollenbeck und Kristina Workman wob er in ein zweijähriges MBA-Studium reflektierende Besprechungen ein, in denen die Studenten ihr Tun tiefschürfend überdenken konnten.

MBA-Studium mit Reflexion

Den Erfolg dieser Sitzungen überprüften die Forscher in einer quasi-experimentellen Wirksamkeitsstudie, veröffentlicht im Journal of Applied Psychology. Bei einem MBA-Jahrgang führten sie neun Monate lang Denksitzungen durch, bei einem anderen nicht. Danach überprüften sie, wie gut die insgesamt 173 Studenten gelernt hatten zu führen.

Wie sah das MBA-Studium während dieser neun Monate aus? Wesentliche Bausteine waren: 1) ein mehrtägiges Seminar, in dem die Studenten lernten, wie man erfolgreich im Team zusammenarbeitet, 2) eine fünfwöchige Simulation von Teamarbeit und Führung, 3) Suche und Bewerbung für ein gut bezahltes Managerpraktikum und 4) ein Wettbewerb, bei dem die Studenten in Teams einen Problemfall eines Unternehmens bearbeiten sollten.

Die Denksitzungen

In einem MBA-Jahrgang gab es nach diesen Bausteinen für jeden Studenten reflektierende Nachbesprechungen. Im anderen Jahrgang wurden lediglich allgemein gehaltene Gespräche geführt. Wie sahen diese Denksitzungen aus?

Vor den Sitzungen mussten die Studenten einen Fragebogen mit offenen Fragen zum durchlaufenen Studienbaustein ausfüllen. Während der Sitzungen wurden die Antworten mit dem Studienleiter ausführlich besprochen. Ziel war, das eigene Führungsverhalten zu analysieren und zu lernen, welche Verhaltenselemente zum Erfolg beitrugen. Folgende Fragen wurden u.a. durchgegangen (S. 1014):

Nachdenken war erfolgreich

Nach neun Monaten waren die Studenten, die nachdenken mussten, erfolgreicher als die, die es nicht taten. Den Teilnehmern der Denksitzungen wurde eine bessere Aufgabenorientierung beim Führen attestiert („Er plant die Arbeit, die getan werden muss.“) und auch eine besser Mitarbeiterorientierung („Er ist freundlich und zugänglich.“).

Außerdem verbesserten einige Persönlichkeitseigenschaften die Wirkung der Denksitzungen noch. Von den Reflexionen profitierten besonders jene Studenten, die:

Unerlässlich: strukturiert nachdenken

Aus der Studie lässt sich dreierlei lernen, so die Autoren. Erstens sind Denksitzungen unerlässlich, damit angehende Manager ihr Führungsverhalten verstehen und nicht nur wie eine Maschine auf Zielerreichung programmiert werden. Zweitens sollten „Unternehmen Denken und Reflexion als Teil ihrer Strategie zur Führungskräfteentwicklung berücksichtigen“ (S. 1008).

Drittens zeigt sich an der Studie, dass es nicht darauf ankommt, ob beraten wird oder nicht, sondern wie das geschieht. Am wirksamsten waren Besprechungen, die genau geplant und strukturiert waren und in denen die Teilnehmer mit sich selbst zurate gingen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2012. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

D. Scott DeRue (University of Michigan), Jennifer D. Nahrgang (Arizona State University), John R. Hollenbeck (Michigan State University) & Kristina Workman (University of Michigan). (2012). Quasi-Experimental Study of After-Event Reviews and Leadership Development [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 97 (5), 997-1015.

Scott DeRue: Führungseigenschaften und Führungsverhalten

Themenschwerpunkt: Weiterbildung für Führungskräfte

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