Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Strategie: Design Thinking

27. April 2012

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Organisationsentwicklung widmet sich dem Design Thinking. Das ist eine Innovationsmethode, die in kleinen Teams abläuft und anschauliche Prototypen einsetzt. Hier wird kurz erläutert, wo Design Thinking herkommt, wie es abläuft und welche psychologischen Aspekte wichtig sind.

Zur Geschichte des Design Thinking

Martin Eppler und Friederike Hoffmann zeichnen in ihrem Beitrag „Design Thinking im Management“ die Geschichte des Design Thinking nach. So wurde es schon 1964 vom Architekten Christopher Alexander als Vorgehen von Architekten und Designern beschrieben. 1969 übertrug es der Sozialwissenschaftler Herbert Simon auf Unternehmen.

Seit 1976 unterrichtete Larry Leifer, der in Bioengineering promovierte, Studierende im Fach Produktdesign an der Stanford University mit diesem Ansatz. Sein Doktorand David Kelly gründete 1991 die Innovationsagentur IDEO, die mit Design Thinking Unternehmen berät.

Begriffsbestimmung und Phasen

Design Thinking ist eine Methode, um neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Typisch für sie ist, dass sie in kleinen, multidisziplinären Teams abläuft und Prototypen (zum Beispiel Modelle aus Holz oder Papier) eingesetzt werden. Außerdem wird Wert darauf gelegt, dass das Ergebnis bestimmte Probleme löst, Bedürfnisse befriedigt und an Technologien gekoppelt ist. Die groben Phasen von Design Thinking sind:

All diese Schritte laufen iterativ ab, d.h. dass man am Ende einer Phase diese oder die vorhergehende wiederholt. So kann sich etwa nach dem Test eines Prototyps herausstellen, dass man das Problem noch nicht verstanden hat und wieder ganz vorne ansetzt, um es neu zu definieren.

Beispiel: Services im Krankenhaus

Alexander Grots und Isabel Creuznacher beschreiben in ihrem Beitrag „Design Thinking – Prozess oder Kultur?“, wie ein großes Krankenhaus seine Services verbesserte. Zunächst wurden die Motive des Unternehmens und der Patienten untersucht. Es zeigte sich, dass diese sehr gegensätzlich waren. Während das Krankhaus auf Effizienz aus war, nahmen die Patienten ihren Aufenthalt als besonders emotionales Erlebnis in ihrem Leben wahr.

Davon ausgehend wurden alle Abläufe, die Berührungspunkte mit Patienten aufwiesen, neu gezeichnet und gestaltet. Schließlich wurde das gesamte Krankenhaus neu organisiert, mit dem Ergebnis, dass die Patienten deutlich zufriedener waren.

Psychologische Aspekte

Welche psychologischen Aspekte sind beim Design Thinking wichtig? Zum Beispiel Kooperation, Kreativität, Denkstil und Anschaulichkeit.

Kooperation. Eine Eigenheit des Vorgehens ist, dass es im Team abläuft. Die Mitarbeiter haben einen unterschiedlichen Hintergrund, jeder geht anders an das Problem heran. Um sich zu verständigen, ist Kooperation gefordert. Man muss sich in den anderen hineinversetzen, im wahrsten Sinne des Wortes mitfühlen, und bereit sein, eigene Positionen aufzugeben und Zugeständnisse zu machen.

Kreativität. Überbordende Kreativität in einer Gruppe ist nicht leicht, weil es Mehrheitsmeinungen gibt. Und es ist menschlich, sich diesen anschließen zu wollen. Daher ist es in der Gruppe wichtig, dass man nicht bewertet, sondern Raum für freie Assoziationen schafft. In der Forschung hat sich gezeigt, dass durch kreative Hinweisreize (z.B. Listen mit kreativen Wörtern oder Fotos kreativer Personen) unbewusst ein Denken in Gang gesetzt wird, das in verschiedene Richtungen geht und sich selbst nicht zensiert.

Denkstil. Alexander Grots und Isabel Creuznacher beschreiben diesen als holistisch und offen. Das Problem soll ganzheitlich betrachtet werden, und man soll offen dafür sein, dass sich die Dinge verändern oder ergänzen lasen. Dieser Denkstil ist eng mit einem kreativen, divergenten Denken verbunden. Als Anleitung kann daher gelten: „Denke offen, in verschiedene Richtungen gehend und möglichst umfassend.“

Anschaulichkeit. Die Prototypen machen das Ringen um neuartige Lösungen besonders anschaulich. Mit einer Skizze auf Papier, einigen schnell hingeworfenen Diagrammen kann man sich die Ideen ansehen. Mit geleimten Holzskulpturen kann man sie anfassen. Und im Rollenspiel lassen sich einzelne Vorgänge sogar nachfühlen. Sehen, anfassen, fühlen – damit kann der Entwicklungsprozess ganz nah erlebt werden, und es wird nachvollziehbar, wie letztlich der Kunde das Produkt aufnehmen wird.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Martin J. Eppler & Friederike Hoffmann (2012). Design Thinking im Management: Zur Einführung in die Vielfalt einer Methode (Abstract). Organisationsentwicklung, 2/12, 4-7.

Alexander Grots & Isabel Creuznacher (2012). Design Thinking – Prozess oder Kultur? Drei Fallbeispiele einer (Veränderungs-)Methode (Abstract). Organisationsentwicklung, 2/12, 14-21.

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