Strategie: Erholungstraining 21. Juli 2011 Eine Forscherinnengruppe um Sabine Sonnentag hat ein neues Erholungstraining evaluiert. Dieses umfasste zwei Trainingstage mit insgesamt vier Trainingseinheiten. Die Teilnehmer lernten dabei, ihr Freizeitverhalten wieder selbst in die Hand zu nehmen, abzuschalten, aktiv zu sein und zu entspannen. Nach dem Training waren sie im Vergleich zur Kontrollgruppe viel erholter. Außerdem fühlten sie sich wohler und schliefen besser als Nichttrainierte. Empirisch abgesicherte Methoden Das Thema Burnout ist fast überstrapaziert. Überall brennt es, doch keiner löscht. Und falls doch, besteht die Feuerwehr allzu häufig aus selbsternannten Anti-Burnout-Trainern, die ohne empirisch abgesicherte Methoden zu Werke gehen. Die Forschungsgruppe um die Arbeitspsychologin Sabine Sonnentag beschäftigt sich schon seit Jahren mit probaten Methoden zur Stressbekämpfung. Gerade haben Verena Hahn, Carmen Binnewies, Sabine Sonnentag und Eva Mojza von den Universitäten Mainz und Konstanz die Wirksamkeit eines Erholungstrainings untersucht – veröffentlicht im Journal of Occupational Health Psychology. Sie trainierten 48 Personen aus fünf Unternehmen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft. Die Kontrollgruppe, die kein Training erhielt, umfasste 47 Personen. Zwei Trainingstage Das Training umfasste zwei Trainingstage, die eine Woche auseinanderlagen. Die Erfolgsmaße wurden eine Woche nach dem Training und noch einmal zwei Wochen darauf gemessen. Erfasst wurden Erholungserfahrungen (z.B. „In der letzten Woche konnte ich in meiner Freizeit abschalten und entspannen.“), Selbstwirksamkeit zum Erholungsverhalten („Ich konnte sogar entspannen, wenn ich müde war.“), das Wohlbefinden und die Schlafqualität. Vier Trainingseinheiten Auf die zwei Trainingstage verteilten sich eine Einführungsrunde, vier Trainingseinheiten und die Abschlussrunde. Die vier Trainingseinheiten bauten auf den vier Prozessen auf, die für Erholung besonders wichtig sind: die eigene Kontrolle wiederfinden, abschalten, Erfolgserlebnisse haben und entspannen. Einführung Trainingseinheit 1: Freizeit selbst bestimmen Trainingseinheit 2: von der Arbeit abschalten Trainingseinheit 3: Aktiv sein und Erfolgserlebnisse haben Trainingseinheit 4: Entspannung und Schlaf Abschluss Durchschlagender Erfolg Das Training erwies auch drei Wochen nach Abschluss als äußerst erfolgreich. Im Hinblick auf die Kontrollgruppe erholten sich die Trainingsteilnehmer besser und konnten auch wirksamer ihr Erholungsverhalten steuern. Sie berichteten über besseres Wohlbefinden über eine höhere Schlafqualität als die Nichttrainierten. Für die Praxis im Unternehmen empfehlen die Autorinnen (S. 214): „Das Erholungstraining könnte gut in Personalentwicklungsprogramme integriert werden. Wir empfehlen dabei jedoch unbedingt eine freiwillige Teilnahme. Ein verpflichtendes Training könnten die Mitarbeiter als Eingriff in ihr Privatleben werten, das ihrer Absicht zuwider läuft, Arbeit und Privatleben ja gerade besser trennen zu wollen.“ Wirtschaftspsychologie-aktuell.de Weiterführende Informationen: Verena C. Hahn and Carmen Binnewies (University of Mainz), Sabine Sonnentag and Eva J. Mojza (University of Konstanz). (2011). Learning How To Recover From Job Stress: Effects of a Recovery Training Program on Recovery, Recovery-Related Self-Efficacy, and Well-Being (Abstract). Journal of Occupational Health Psychology, Vol. 16, No. 2, 202–216. Lernen von Sabine Sonnentag: Die optimale Erholung Abstand von der Arbeit hilft beim Erholen Strategie: Ein Jahr lang im Arbeitsparadies Zur Ausgabe "Wettbewerb um Talente" Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell |
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