Strategie: Alltagskreativität nutzen8. Juli 2011 Eine neue Studie zeigt: Um im Alltag kreativ zu sein, muss man nicht unbedingt ein kreatives Ausnahmetalent sein. Kreative Leistung und kreatives Potenzial stimmen häufig nicht miteinander überein. Das hat eine Forschergruppe um Sophie von Stumm herausgefunden. Alltagskreativität lässt sich auch bei der täglichen Arbeit nutzen und verbessern. Hängen kreatives Potenzial, Fähigkeiten zur Ideenfindung und Alltagskreativität miteinander zusammen? Und welche Personen sind darin besonders gut? Diese Fragen stellten sich Sophie von Stumm von der Goldsmith University London und ihre Kollegen Audrey Chung und Adrian Furnham in einer neuen Studie, die sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts veröffentlicht haben. Kreatives PotenzialInsgesamt gaben 656 Studenten zu ihrem schöpferischen Verhalten und Denken Auskunft. Ihr kreatives Potenzial wurde mit einer Aufgabe zum divergenten Denken überprüft. Beim divergenten Denken ist der Geist, anders als beim konvergenten Denken, nicht nur auf eine feststehende Problemlösung aus, sondern bewegt sich freier. Damit sind vielfältige und andersartige Antworten möglich. Die Aufgabe lautete folglich, möglichst viele und originelle Gebrauchsmöglichkeiten für drei Gegenstände zu finden: einen Backstein, eine Decke und einen Bleistift. Fähigkeit zur IdeenfindungDie Fähigkeit zur Ideenfindung wurde mit der Runco Ideational Behavior Scale gemessen. Dabei sollten die Teilnehmer angeben, wie leicht ihnen der Umgang mit Ideen fiel und ob sie einen besonderen Sinn für neuartige Einfälle hatten (Runco et al., 2001, S. 399):
AlltagskreativitätSchließlich berichteten die Studenten über ihre kreativen Leistungen. Sie sollten angeben, ob sie in den vergangenen 12 Monaten die folgenden Tätigkeiten mindestens einmal ausführten (Diese sind absteigend nach der angegeben Häufigkeit gelistet. Oben steht die am häufigsten, unten die am seltensten genannte Tätigkeit. Fett sind jene, die im Arbeitsalltag besonders relevant sind. S. 111):
Unabhängige KreativitätskomponentenEs zeigte sich, dass alle drei Kreativitätskomponenten nur wenig miteinander zu tun hatten. Diejenigen, die im Alltag besonders kreativ waren, mussten nicht zwangsläufig ein hohes kreatives Potenzial haben oder den Ideenfragebogen besonders gut beantworten. Die wenigsten, nämlich nur 16 Prozent, waren jedoch im Alltag besonders kreativ. Und wenn sie es waren, dann bereichsübergreifend, d.h. sie widmeten sich vielen verschiedenen kreativen Tätigkeiten von der Kunst, über Technik bis hin zu organisatorischen Aufgaben. Die Kreativitätsforscher fanden auch heraus, dass unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale die einzelnen Kreativitätskomponenten vorhersagten. Viele Ideen hatten jene, die offen und etwas „schräg“ waren und häufiger von ungewöhnlichen Erfahrungen oder einem etwas unaufgeräumten Geisteszustand berichteten. Dieses Schrägsein nennen die Forscher „Schizotypie“. Eine hohe Alltagskreativität brachten jene auf, die mit einem hohen Extraversionswert glänzten, also gerne mit Freunden zusammen, unternehmungslustig, warmherzig und gesellig waren. Außerdem waren Studenten erfinderisch, wenn sie leicht manisch waren. „Hypomanie“ bezeichnen das die Autoren. Dazu gehörte, dass man häufig gut gelaunt und erfolgsorientiert war, viel Energie hatte, aber auch fliehende Gedanken. Wenn man eine Standardabweichung über dem Extraversions- oder Hypomaniewert der Gruppe lag, erhöhte es die Chance um 164 Prozent (für Extraversion) bzw. 143 Prozent (für Hypomanie), zu den besonders Kreativen zu gehören. Kreativer werdenDie Ergebnisse zeigen, dass man kein Genie sein muss, um im Alltag zu Hause oder im Büro kreativ zu sein. Dafür sind keine Fragebogenwerte nötig, sondern gute Ideen und Tatkraft. Mit Blick auf die Persönlichkeitsausprägungen kann man vermuten, dass sich Kreativität im Büro besonders durch folgende Aktivitäten verbessern lassen könnte:
Wirtschaftspsychologie-aktuell.de Weiterführende Informationen: Sophie von Stumm (Goldsmiths University of London), Audrey Chung & and Adrian Furnham (University College London). (2011). Creative Ability, Creative Ideation and Latent Classes of Creative Achievement: What Is the Role of Personality? (Abstract). Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, Vol. 5, No. 2, 107–114. Mark Batey (Manchester Business School) & Adrian Furnham (University College London). (2008). The relationship between measures of creativity and schizotypy (PDF). Personality and Individual Differences, 45, 816–821. Mark Batey (Manchester Business School), Adrian Furnham & Xeniya Safiullina (University College London). (2010). Intelligence, general knowledge and personality as predictors of creativity (PDF). Learning and Individual Differences, 20, 532–535. Jens-Uwe Meyer (2010). Ideenfindungstechniken: Mit dem „Apfel“ neue Ideen entwickeln. Kreativ-Techniken für Ideen-Workshops (PDF). IHK-Magazin, Oktober 2o10. Mark A. Runco (University of Hawaii), Jonathan A. Plucker and Woong Lim (Indiana University). (2001). Development and Psychometric Integrity of a Measure of Ideational Behavior. Creativity Research Journal, Vol. 13, Nos. 3 & 4, 393–400. Lernen von Hedva Vinarski-Peretz: Gute Beziehungen im Büro machen kreativ Lernen von Xiao-Ping Chen: Echte Leidenschaft bei der Arbeit macht kreativ Zur Ausgabe "Erfolgreich führen" Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell |
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