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Strategien: Praktische Intelligenz

6. Juni 2011

In einer neuen Studie zeigt eine Arbeitsgruppe um Robert Baum, dass praktische Intelligenz in der Gründungsphase eines Unternehmens besonders wichtig war. Diesen Durchblick in der Praxis konnte man auch lernen. Durch neue Erfahrungen und durch zwei geeignete Lernstile: konkrete Erfahrungen sammeln und aktives Experimentieren.

Intelligenz und Erfolg

Die Intelligenz wird oft bemüht, wenn man den Erfolg von Unternehmern erklären will. Allzu oft zeigt sich aber, dass Scharfsinn allein noch keinen gestandenen Geschäftsführer macht. Die Wirtschaftswissenschaftler Robert Baum, Barbara Jean Bird und Sheetal Singh von der Universität in Maryland haben daher jetzt jenen Intelligenzmarker unter die Lupe genommen, der für unternehmerisches Handeln vermutlich am wichtigsten ist: praktische Intelligenz. Erschienen ist ihre Untersuchung in der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift Personnel Psychology.

Unternehmensgründer in der Druckindustrie

Nach Robert Sternberg gibt es analytische, kreative und praktische Intelligenzkomponenten. Praktische Intelligenz sollte, so mutmaßten die Autoren, besonders bei Unternehmensgründungen ausschlaggebend sein. Sie befragten daher insgesamt 283 Gründer aus der Druckindustrie. Diese Branche wurde ausgewählt, weil sie sich durch Digitalisierung und Rationalisierung besonders stark im Umbruch befindet.

Was ist praktische Intelligenz?

Praktische Intelligenz umfasst die durch Alltagserfahrung erlernten Fertigkeiten und Wissensbestände. Zudem schließt diese Art der Intelligenz auch immer die Fähigkeit mit ein, das Erlernte in konkreten Situationen anwenden zu können. In der Studie sollten die befragten Unternehmer sagen, welche Aktionen sie in verschiedenen Problemsituationen für sinnvoll erachteten. Ein solches Problem war, dass im dritten Geschäftsjahr die Umsätze um 10 Prozent einbrachen. Die Qualität der Antworten wurde nach den Empfehlungen eines 50-köpfigen Gremiums von Top-Unternehmern bemessen.

Zwei Lernstile

Außerdem wurde erfasst, welche Erfahrungen die jungen Unternehmer in der Druckereibranche und im operativen Geschäft vorweisen konnten. Und es wurden die Lernstile erhoben, d.h. auf welche Weise die Gründer ihr Wissen aus dem Erlebten destillierten. Zwei Stile waren dabei besonders wichtig:

Erfolgskriterien waren Umsatzsteigerungen in den letzten vier Jahren und ob in diesem Zeitraum neue Mitarbeiter eingestellt werden konnten.

Praktische Intelligenz machte erfolgreich

Es zeigte sich, dass die praktische Intelligenz des Geschäftsführers maßgeblich dessen Unternehmenserfolg bestimmte. Die praktische Intelligenz nahm zu, je mehr praktische Erfahrungen vorlagen und je lieber die Gründer anhand konkreter Erfahrungen und durch aktives Experimentieren lernten. Außerdem wirkten sich Wachstumsziele positiv auf die erwartete Umsatzsteigerung aus.

Praktische Intelligenz kann jeder lernen

Die Autoren betonen, dass mangelnde praktische Intelligenz keine Entschuldigung für Misserfolg ist. Denn praktische Intelligenz kann jeder lernen. Erstens indem man seinen Erfahrungshunger schürt und Erfahrungswelten bewusst auswählt. Zweitens, in dem man sich zwei Regeln zu eigen macht:

Also, Ärmel hochkrempeln und los!

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Baum, J. R., Bird, B, J. & Singh, S. (2011). The practical intelligence of entrepreneurs: Antecedents and a link with new venture growth. Personnel Psychology, 64, 397–425.

Sternberg R. J. (2003). A broad view of intelligence: The theory of successful intelligence. Consulting Psychology Journal: Practice & Research, 55, 139–154.

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