Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Strategie: Gesundheitsbefragungen durchführen

30. März 2011

Rund 1700 Arbeitsstunden leistet ein Angstellter im öffentlichen Dienst pro Jahr. Diese gesund und leistungsfähig auszufüllen, ist nicht immer leicht. Das betriebliche Gesundheitsmanagement soll dieses Bemühen um die eigene Gesundheit unterstützen.

Ausgangspunkt für entsprechende Maßnahmen kann eine Mitarbeiterbefragung zur Gesundheit sein. Wie man dabei vorgeht, „wie man ‚richtig‘ fragt und die Antworten sinnvoll auswertet“ (S. 5), zeigt die neue Info-Broschüre „Gute Fragen für mehr Gesundheit“ der Unfallkasse des Bundes.

Was bei einer Gesundheitsbefragung wichtig ist

Die Broschüre, die auf Erfahrungen im öffentlichen Dienst beruht, kann auch von anderen Unternehmen als Richtschnur verwendet werden. Sie erörtert die Probleme zu den wichtigsten Fragen rund um eine groß angelegte Erhebung:

  • Besteht überhaupt Informationsbedarf zum Gesundheitsverhalten?
  • Wer sind die Verantwortlichen für die Befragung?
  • Wer soll befragt werden und in welcher Form?
  • Welchen Fragebogen setzt man ein?
  • Wie läuft die Befragung ab?
  • Wie wertet man die Ergebnisse aus?
  • Wie nutzt man die Ergebnisse?
  • Wie informiert man die Mitarbeiter vor der Befragung, währenddessen und danach?

Fragebogen erfasste Kompetenz, Gesundheit und Arbeit

Die Broschüre wartet auch mit den Ergebnissen einer Fragebogenstudie auf. Dafür wurden insgesamt 2847 Beschäftigte aus sieben Bundesdienststellen befragt. Der eingesetzte Fragebogen enthielt wissenschaftlich geprüfte Einzelskalen, deren Güte das Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) sicherstellte. Der Fragebogen erfasste:

  • Kompetenz (praktizierte Kompetenzentwicklung, Einschätzung der eigenen Kompetenzerwartung)
  • Gesundheit (Gesundheitsverhalten, Gesundheitszustand) und
  • Arbeit (Meinung über Arbeitgeber, Arbeitsorganisation, Arbeitsplatz, Arbeitsmittel, Arbeitsaufgabe, Betriebsklima, Führung, Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben, Arbeitszufriedenheit)

In der Broschüre ist der vollständige Fragebogen abgedruckt.

Anzeige
Gesundheit und Stress

Einseitige körperliche Beanspruchung und Unterforderung

Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Angestellten ihren Gesundheitszustand überdurchschnittlich gut einschätzten. Bei näherem Hinsehen wird allerdings deutlich, dass über die Hälfte über langes Arbeiten am Bildschirm und einseitige körperliche Beanspruchung klagte.

Auch die Behördenkultur („Hier werden unabhängig von der Lage langfristige Ziele und Strategien verfolgt.“, S. 55) kam nicht gut weg. Außerdem sahen sich viele bei ihrer Arbeit unterfordert. Das alles wirkte sich wiederum aufs Gesundheitsverhalten und auf die Arbeitszufriedenheit aus.

Gesundheitsmanagement nur angerissen

Wie es nach solch einer Gesundheitsbefragung weitergeht, wird in dem Büchlein leider nur angerissen. Treffend gestehen die Autorinnen zwar ein: „nach der Befragung geht's erst richtig los" (S. 10). Was aber dann genau ansteht, bleibt vage.

Hier hätte man sich neben den gängigen allgemeinen Hinweisen - „Feinziele festlegen, Maßnahmen ableiten und umsetzen" (S. 20) - konkrete Maßnahmen gewünscht, die zur Gesundheitsvorsorge infrage kommen. Von diesem Ende her gedacht wäre es sinnvoll, gleich bei der Erhebung die Mitarbeiter zu fragen, was sie von Rückenschule, Bonusprogramm oder Arbeitsgestaltung halten.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Unfallkasse des Bundes - Abteilung Arbeitsschutz und Prävention (Hrsg.). (2011). Gute Fragen für mehr Gesundheit. Die Mitarbeiterbefragung der Unfallkasse des Bundes für ein fundiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (PDF).

Mehr zu Stress und Gesundheit

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz messen

Zur Ausgabe "Erfolgreich führen"

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv