Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
Strategie: Arbeitsbelastung – aber richtig!

6. Oktober 2010

Zu viel Arbeit, zu laut im Büro und auch noch permanenter Termindruck. Solche Arbeitsbelastungen können auslaugen. Langfristig steigt die Burnout-Gefahr. Doch es gibt auch positive Belastungen, die sogar noch motivieren können.

Die Richtig-Regel

Auch fürs Büro gilt die orthopädische Regel: Bitte richtig belasten! Doch was sind gute und schlechte Belastungen, wenn es um die Psyche und weniger um den Rücken geht?

Dazu haben Eean Crawford, Jeffrey LePine und Bruce Rich gerade eine Untersuchung im Journal of Applied Psychology vorgelegt. Ihre Vermutung: Es gibt Jobbürden, die auf den ersten Blick stressig wirken, aber den Mitarbeiter auch motivieren können.

Belastung und Burnout

Die klassische Annahme des Belastungs-Ressourcen-Modells zur Burnout-Entstehung ist: Arbeitsbelastungen setzen einen Prozess des Energieabbaus in Gang, der schließlich zum Burnoutsyndrom führt. Erschöpfung, Müdigkeit, Lustlosigkeit und schlechte Arbeitsleistung sind die Folge.

Ressourcen – wie etwa Kontrolle, Aufgabenvielfalt und Unterstützung durch Kollegen – stoßen hingegen einen Motivationsprozess an, der zu mehr Engagement führt. Und diese Leidenschaft ist ein guter Puffer gegen Burnout.

Eean Crawford und seine Kollegen haben jetzt über 50 Studien erneut überprüft, ob nicht auch Belastungen engagierter machen können.

„Gute“ Belastungen

In der Tat zeigte sich, dass Belastungen, die der Mitarbeiter aus eigener Kraft bewältigen kann, motivieren können. Dazu zählen:

  • Arbeitsmenge
  • Termindruck
  • viel Verantwortung
  • Schwierigkeit der Aufgaben

Damit diese Anforderungen ihr Motivationspotenzial entfalten können, muss eine Person sie allerdings als bezwingbar einschätzen.
Wenn sie in der Lage ist, die Belastung als lösbares Problem zu sehen, gelingt das. Problemlösungen wären dann: ein gutes Zeitmanagement oder Delegieren. Und der Erfolg, der sich danach einstellt, zehrt die Energie nicht auf, sondern motiviert.

„Schlechte“ Belastungen

Anders sieht es mit Belastungen aus, die die Zielerreichung behindern, weil sie emotional verwickeln oder von der Person allein nicht zu meistern sind. Dazu zählen:

  • Rollenkonflikte und Streit
  • Unternehmenspolitik
  • überbordende Bürokratie
  • Lärm, Raumklima und Büroaufteilung

Bei diesen strukturellen Problemen geben energieraubende negative Gefühle wie Ärger, Niedergeschlagenheit oder Unlust den Ton an. Was langfristig zu Erschöpfung führt.

Ressourcen sind immer richtig

Auch „gute“ Belastungen sind natürlich nur in den Griff zu bekommen, wenn der Mitarbeiter genügend Ressourcen hat oder den Umgang mit Stress gelernt hat.

Hier appellieren die Autoren an die Führungskräfte, die im Blick haben sollten, welche Belastungen sie ihren Angestellten zumuten und welche Ressourcen sie zur Verfügung stellen. Ressourcen sind:

  • der Mitarbeiter kann Arbeitsmittel und Aufwand selbst bestimmen
  • die Karriere wird durch Aufstiegsmöglichkeiten und Weiterbildung gefördert
  • Teammitglieder werden bei Entscheidungen eingebunden
  • es wird nach Lösungen gesucht, wie man Aufgaben interessanter und vielfältiger gestalten kann
  • der Chef ist in der Lage, konstruktiv und verhaltensbezogen Feedback zu geben
  • die kollegiale Unterstützung wird betont

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Eean R. Crawford, Jeffery A. LePine & Bruce Louis Rich (2010). Linking Job Demands and Resources to Employee Engagement and Burnout: A Theoretical Extension and Meta-Analytic Test (Abstract). Journal of Applied Psychology, 95, 834–848.

Strategie: Mal Abschalten!

Zur Ausgabe "Herausforderung Stress"

Zur Podiumsdiskussion "Burnout"

Mehr zum Thema Führung

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv