Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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„Psychologen sind auch Praktiker“

Dr. Rebekka Schulz

Christine Kudla,
HR-Managerin Germany bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells International LLP, Banklehre, Diplom-Psychologin;
beruflicher Schwerpunkt: Leitung aller personalrelevanten Funktionen an den vier deutschen Standorten sowie die Führung des HR-Teams

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Bereits während meines Studiums habe ich als Werkstudentin in einer Personalabteilung gearbeitet und ich hatte keinen Zweifel, dass ich nach dem Abschluss im Personalbereich arbeiten wollte. Der Kontext von Menschen an ihrem Arbeitsplatz hat mich schon immer interessiert. In der Folge habe ich die Personalleitung eines produzierenden Unternehmens ebenso kennengelernt wie die Tätigkeit als Spezialist in der Eignungsdiagnostik bei einer internationalen Personalberatung. Nun lässt mich das International Legal Business nicht mehr los. Hier hat die Personalarbeit viele weitere anspruchsvolle Komponenten, die äußerst attraktiv sind.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
Für mich ist das nach wie vor ein wissenschaftlicher Begriff. Im Zuge der Internationalisierung, Globalisierung und des Fachkräftemangels ist die Psychologie langsam, aber sicher so weit in die Wirtschaft eingedrungen, dass sie nicht länger als abgehobene Wissenschaft abgetan werden kann. Auch wenn sich mancher vor ein paar Jahren dachte, das wäre nur etwas für DAX-Unternehmen, die genügend Ressourcen für den Einkauf wissenschaftlicher Expertise haben. Für mich persönlich ist es eine große Genugtuung und Freude zu sehen, wie stark die Elemente der Wirtschaftspsychologie in viele Bereiche Einzug gehalten haben, nicht nur in der Personalarbeit. Führungsverhalten, Veränderungsprozesse, Konflikte, Strategiethemen – nichts davon wird heute ohne psychologischen Fokus behandelt und geprägt.

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Sie können Anstöße geben, Inspirationen und Impulse liefern, wo Vertreter anderer Qualifikationen manchmal nicht weiterkommen. Der Blickwinkel von Psychologen ist oft ein anderer, was neue Perspektiven eröffnet und Handlungsspielräume schafft. Wichtig ist es, ein Verständnis zu schaffen, dass Psychologen nicht nur Analytiker oder Theoretiker sind, sondern genauso Praktiker wie Ingenieure, Anwälte oder Betriebswirte. Dieses Verständnis kann je nach Branche und Führungsebene stark variieren.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Ich habe das große Glück, in meinem beruflichen Umfeld so ziemlich alles ausprobieren zu können, was einem Personaler am Herzen liegt. Zudem ist unsere Kanzlei sehr fortschrittlich, was psychologische Ansätze, Perspektiven und Umsetzungen anbelangt. Wir können unsere Konzepte im Allgemeinen auch schnell umsetzen. Wenn ich einmal außerhalb der Personalarbeit tätig sein würde, würde ich sicher etwas Handwerkliches machen. Es bleibt die große Sehnsucht danach, am Ende eines Tages zu sehen, was man geschaffen hat …

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Dass Personalarbeit in vielen Unternehmen nicht richtig eingeordnet ist und daher oft Rückhalt und Unterstützung fehlen. Das ist in meiner jetzigen Tätigkeit erfreulicherweise nicht der Fall, sodass wir Großartiges leisten dürfen und dafür sehr gut und eng mit der Unternehmensführung zusammenarbeiten.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Ich bin erst seit ein paar Monaten hier im Unternehmen und in dieser Position. Daher glaube ich, dass sie durchweg sehr froh sind, mit mir Unterstützung bekommen zu haben. Mein Führungsstil trägt sicherlich auch zur raschen Akzeptanz bei. Man kann als Führungskraft noch so gute Absichten und Qualifikationen mitbringen. Wenn man sich nicht die Zeit nimmt, jeden in seinem individuellen Tempo abzuholen, wird es langfristig nicht gelingen, gemeinsam seine Ziele zu erreichen.

Was ist Ihre größte Macke?
Eine substanzinduzierte Abhängigkeit in Form des Nachmittagskaffees, der gern stark und immer in Begleitung mehrerer Gebäckteilchen daherkommen darf – und muss. Sonst lassen Konzentration und Gesprächsbereitschaft schlagartig nach.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
Über die Jahre habe ich es mit vielen verschiedenen Ritualen versucht, aber der Kopf lässt sich nun mal kaum beherrschen. Insofern bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass Gartenarbeit und viel Schlaf für mich die besten Helfer sind.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Ich würde reisen. Nach 23 Jahren in Berlin bin ich vor Kurzem nach München gezogen und verbringe jede freie Minute damit, meine neue bayerische Heimat und die umliegenden Regionen zu erkunden. Es muss nicht mehr weit weg gehen. Erst recht nicht, wenn man von herrlichen Bergen und Seen umgeben ist.



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