Nachrichten
aus der Wirtschaftspsychologie
1. Februar 2010
Das Klima wird härter
Befragung des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) und der Wege zur Selbst GmbH
Die steigende Anspannung am deutschen Arbeitsmarkt verändert zunehmend die personalpolitischen Prioritäten der Unternehmen. So hat sich der Trend zu "harten Maßnahmen" zwischen Mai und Dezember des vergangenen Jahres auffallend verstärkt.
Weniger Hoffnung setzen die Unternehmen mittlerweile auf Kurzarbeit. „Weiche“ Instrumente wie die zeitweilige Versetzung von Mitarbeitern, der Abbau von Überstunden und Mehrarbeit, flexible Arbeitszeitmodelle oder der Verzicht auf Entgelte oder sonstige Leistungen und der Austausch von Mitarbeitern zwischen Unternehmen haben deutlich an Bedeutung verloren.
Zu diesen Ergebnissen kommt das Ludwigshafener Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in einer Online-Befragung von mehr als 300 deutschen Unternehmen. In der Umfrage, die gemeinsam mit der Initiative Wege zur Selbst GmbH durchgeführt wurde, konnten die im Mai befragten Entscheider ihre Aussagen im Dezember noch einmal bestätigen oder korrigieren.
Deutlich häufiger als im Vergleichszeitraum wurde die Reduktion des Personalbestandes (78 statt 67 Prozent) und die Veränderung des Arbeitsortes (67 statt 54 Prozent) als wichtig eingestuft.
Mit betriebsbedingten Kündigungen ihres Stammpersonals sind die Firmen aber auch weiterhin zurückhaltend. „Jahrelange haben die Personalbereiche beharrlich auf die drohende Fachkräftelücke hingewiesen", betonte Thomas Sattelberger, Vorstand der „Selbst GmbH“. "Heute ernten wir die Früchte des begonnenen Bewusstseinswandels. In der Krise gehen viele Unternehmen bis an die betriebswirtschaftliche Schmerzgrenze, um ihre wertvollen Mitarbeiter zu schützen.“ Besonders wichtig sei es, so Sattelberger, freie Kapazitäten intelligent zu nutzen und die Mitarbeiter mit berufsbegleitenden Weiterbildungen fit für den nächsten Aufschwung zu machen.
Wenn es allerdings um Bezahlung und Arbeitszeit geht, wird das Klima insgesamt rauer. So zog das Management zum Jahresende wesentlich häufiger Maßnahmen in Erwägung, die für die Belegschaften Verzicht bedeuten wie „Professionelles Trennungsmanagement“ und Aufhebungsverträge. Daneben werden öfter freiwillige Leistungen überprüft und Lohn- und Gehaltssteigerungen verschoben. Auch variable Gehaltstrukturen, also die Kürzung fixer Entgeltbestandteile zugunsten variabler Zulagen, gehören mittlerweile bevorzugt zum personalpolitischen Repertoire.
Wirtschaftspsychologie-aktuell.de
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