Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

5. Mai 2009
Allgemeine Intelligenz sagt Berufserfolg vorher
Jochen Kramer, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie am psychologischen Institut der Universität Bonn, hat gerade zum Thema Intelligenz und Berufserfolg promoviert. Die Ergebnisse seiner Dissertation hat er in der aktuellen Ausgabe der Psychologischen Rundschau veröffentlicht. Damit liegt neben Hülsheger, Maier und Stumpp (2007) die umfassendste Metaanalyse zum Zusammenhang von General Mental Ability (GMA) und Berufsleistung in Deutschland vor. Jochen Kramer wertete insgesamt 244 Studien aus, die zwischen 1928 und 2006 publiziert wurden, darunter viele unveröffentlichte. Intelligenzfaktoren waren entsprechend dem Berliner Intelligenzstrukturmodell Verarbeitungskapazität, und
-geschwindigkeit, Einfallsreichtum und Merkfähigkeit. Die berufliche Leistung wurde mit Arbeitsleistung (Fremdbeurteilung), beruflicher Lernleistung (Weiterbildungsleistung durch Noten oder Beurteilungen), Einkommen und beruflicher Entwicklung (Beförderung, Position) erfasst. Kramer setzte neue Methoden zur Schätzung der Zusammenhänge ein. Intelligenz hängt danach mit Arbeitsleistung (r = .62), beruflicher Lernleistung (r = .59), Einkommen (r = .33) und beruflicher Entwicklung (r = .31) zusammen. GMA ist also ein äußerst valider Vorhersagewert für Berufserfolg sowohl hinsichtlich subjektiver Bewertung (Arbeits- und Lernleistung) also auch objektiven Maßen (Einkommen, berufliche Entwicklung). Der Autor entkräftet mithin zwei Einwände, die häufig gegen Intelligenztests bei der Eignungsdiagnostik vorgebracht werden: sie seien nicht valide und würden von den Bewerbern oft nicht akzeptiert. In den Ergebnissen zeigte sich, dass Intelligenztests zu den Testverfahren mit der höchsten Validität gehören. Zudem liegen neuere Testentwicklungen (AZUBI-Test, BIS-r-DGP und WIT-2) vor, die von den Bewerbern akzeptiert werden. Kramer schlussfolgert: „Obwohl die Validität von GMA anhand amerikanischer Studien schon in den 1990er Jahren nachgewiesen und […] als sehr gut beschrieben wurde, werden GMA-Tests in Deutschland vergleichsweise selten eingesetzt.“ (S. 92)

tf / Ute R. Hülsheger, Günter W. Maier, Thorsten Stumpp (2007). Validity of General Mental Ability for the Prediction of Job Performance and Training Success in Germany: A meta-analysis. International Journal of Selection and Assessment, 15 (1), 3-18.
Kramer, J. (2009). Allgemeine Intelligenz und beruflicher Erfolg in Deutschland: Vertiefende und weiterführende Metaanalysen. Psychologische Rundschau, 60, 82-98.
Kramer, J. (2009). Metaanalytische Studien zu Intelligenz und Berufsleistung in Deutschland. Elektronisch veröffentlichte Dissertation, Universität Bonn. Abgerufen am 5. Mai 2009 unter: http://hss.ulb.uni-bonn.de/diss_online/phil_fak/2009/
kramer_jochen/1708.pdf


Zum Archiv