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aus der Wirtschaftspsychologie
8. Januar 2009 Die Rolle der Gier in der Wirtschaftskrise Ist es menschliches Verhalten, das zur derzeitigen Wirtschaftsmisere geführt hat? Spielt dabei die Gier eine Schlüsselrolle? In einer Sendung des Schweizer Radios erörterte Angelika Schett mit dem Psychoanalytiker Berthold Rothschild, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diese Fragen. Zunächst wurden die Bedeutungsfacetten der Gier beleuchtet. Sigmund Freud wollte mit ihr das unersättliche Verlangen des Säuglings nach Liebe verstanden wissen, eine Regung also, die sich nicht mehr auf etwas Konkretes bezieht, sondern in abstrakter Form übersteigert ist. Auf sprachlicher Ebene ist sie ein heftiges Verlangen, das nicht völlig steuerbar ist. Sie ist eher eine Bezeichnung für die Heftigkeit eines Wunsches, als dass sie den Wunsch selbst näher bestimmt. Rothschild fiel dabei auf, dass es leichter ist, die Gier der anderen als die eigene zu sehen. Nach den Ursachen gefragt, stellte er fest: „Es gibt eine Gier, die aus dem Mangel entsteht und eine Gier, die aus der Saturiertheit kommt.“ Gier müsse dabei nicht unbedingt etwas Unangenehmes sein, „wenn man so monomanisch, entschieden und sehnsüchtig ein Verlangen empfindet.“ Jedoch bestreitet Berthold Rothschild, dass allein die Gier für den „Kasinokapitalismus“ verantwortlich ist, der zum Wirtschaftskollaps geführt hat: „Die Ursache des Ganzen ist nicht die Gier, sondern es ist eine unglaubliche Dekadenz des Verdienstes, also das Verhältnis des Menschen zu seiner Leistung.“ Hier ist das Gespräch nachzuhören. tf / Schweizer Radio Zum Archiv |
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