Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

27. September 2017

Digital ist besser?! Ein Besucherbericht von der Messe Zukunft Personal 2017

Von Ina Jungbluth/Werner Grieshop

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Vom 19. bis 21. September war Köln mit der Messe „Zukunft Personal“ wieder der Branchentreff der HR-Szene. Und auch diesmal schafften die Veranstalter einen neuen Besucher- und Ausstellerrekord: Mit 17.809 Fachbesuchern (plus fünf Prozent) und 770 Ausstellern (plus fünf Prozent) wurde der weitere Wachstumskurs von Europas größter Personalfachmesse erneut bestätigt.

Zukunft PersonalFoto: © Zukunft Personal - Peter Porst

Bereits zum elften Mal war der Deutsche Psychologen Verlag (DPV) mit seiner Zeitschrift „Wirtschaftspsychologie aktuell“ in Köln vertreten. Nicht nur die Publikationen des Verlags fanden reges Interesse bei den Besuchern am Messestand in Halle 3.1. Auch über die Fortbildungsangebote der Deutschen Psychologen Akademie und die Kampagne des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. zu „Gesunder Arbeit“ mit Informationen und Tipps zum Themenfeld „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ konnte man sich  am DPV-Stand informieren.   

Themenschwerpunkt Digitalisierung und New Work

Mit „Work:olution“ setzen die Messeveranstalter den Schwerpunkt auf die Themen Digitalisierung und New Work. Der Diplom-Psychologe Werner Grieshop hatte sich aus dem benachbarten Düsseldorf auf den Weg nach Köln gemacht, um hier den „neuen Spirit“ in der HR-Branche aufzusaugen und den Messebesuch zugleich zur eigenen Standortbestimmung zu nutzen, wie sein Besucherbericht zeigt:

„Human Resources als Unterstützer der digitalen Transformationsstrategie, als Vorbild im Change Prozess und Qualifizierer von Management und Mitarbeitern – und gleichzeitig selbst Getriebener der revolutionären Entwicklungen und disruptiven Umbrüche. So zeichnet sich das Bild der HR-Arbeit für viele Anbieter und Referenten auf der diesjährigen Messe Zukunft Personal in Köln. Unter der Headline „work:olution“ wird die Arbeitswelt neu gedacht – von der Evolution bis zur Revolution. Dieses Motto zog sich komplett durch meinen Messetag am Mittwoch, von den Ausstellergesprächen am Vormittag bis zu den Foren und Roundtables am Nachmittag.

Los ging es mit einem Anbieter für Feedbacktools, die den persönlichen Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern nicht ersetzen, sehr wohl aber so ergänzen sollen, dass über den kontinuierlichen Dialog der Veränderungsprozess für alle Beteiligten transparent wird. Mittels Instant Feedback, Pulsbefragungen, Teambefragungen oder 360-Grad Feedbacks können via Browser oder mobil schnell und anlassbezogen Feedbacks angefordert werden. Die resultierenden Stimmungsbilder können unmittelbar und in Echtzeit in Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Weiter ging’s zu einem Anbieter, der mit seinen Angeboten „digital Leadership“ ermöglicht und unterstützt. Die Gestaltung von Transparenz, Kollaboration und Partizipation in den Beziehungen von Führenden und Mitarbeitern in der zukünftigen Arbeitswelt ist das Ziel. Entsprechend nennen sich die Plattform-Entwickler auch „Futurologen“ – das hat mir gefallen.

NeueSkill- und Kompetenzprofile für HR

Wie die zukünftigen Anforderungen in HR beschaffen sind und in welchen neuen Skill- und Kompetenzprofile für HR sich diese niederschlagen, erfuhr ich bei zwei weiteren Ausstellern: Diese Anbieter eruieren die neuen Profile, führen Ist- und Gap-Analysen durch und bauen die neuen Qualifizierungs-, Entwicklungs- und Weiterbildungsprogramme auf – über unterschiedliche Formate und mit den neuesten technologischen Unterstützungen. So werden „Personalbefähiger“ und „Unternehmensbeweger“ zum „agilen Organisationsentwickler“ und zum Experten für „Organisation“, „Change Management“ und „Agiles Projektmanagement“, aber auch zum „Business Analysten“, „Unternehmensarchiktekten“ und „Prozessmanager“ entwickelt.

Derartige Qualifizierungsprogramme für ganze Organisationen benötigen entsprechende Plattformen für Steuerung und Organisation. Auch dafür gibt es überzeugende Lösungen, die zugleich über die Sammlung und kongruente Aufbereitung der Daten auch People und Predictive Analytics zulassen, z.B. das Erkennen der Faktoren, die bessere Vorhersagen für beruflichen Erfolg etc. zulassen.

Neue Profile bedingen neue Organisationsformen. Wie diese gestaltet werden können, wurde mir abschließend und überzeugend demonstriert. Denn die modernste Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung kann nur dann erfolgreich sein, wenn auch die Unternehmensstrukturen so gestaltet sind, dass sie die New-Work-Konzepte wirkungsvoll unterstützen.

Abgerundet wurde der Vormittag mit einem Vortrag zum Thema „FutureLAB HR“ und wie sich HR transformieren sollte sowie einer Betrachtung der besonderen rechtlichen Aspekte bei der Nutzung von Big Data und Predictive Analytics. Auf Basis einer aktuellen Deloitte-Studie und in einem sehr interaktiven Format wurden die (neuen) Regeln des HR Managements und der damit verbundene Umbau von HR präsentiert und mit den Besuchern diskutiert. Und vor dem Hintergrund der im nächsten Jahr wirksam werdenden neuen EU-Datenschutzgrundverordnung erläuterte ein promovierter Diplom-Psychologe die neuen Möglichkeiten der Datenverarbeitung für prädiktive Zwecke, aber auch deren Limitierungen und Einschränkungen durch die neuen Datenschutzregeln.

Kompetenz und Erfahrung evidenzbasierter Psychologie

Persönlich gefreut hat mich aber, dass der Kollege auch explizit darauf hingewiesen hat, das die empirische Psychologie seit nahezu hundert Jahren über bewährte Methoden und experimentelle Designs verfügt, mit denen z.B. in der Entwicklungspsychologie schon seit langer Zeit auf Basis von schulischen Entwicklungen und Ergebnissen berufliche Werdegänge sehr gut vorhergesagt werden können. Manches ist halt manchmal auch nur neue Terminologie für Bekanntes und Bewährtes. Und zu glauben, allein mit dem Einsatz von Softwareprogrammen und digitalen Tools könne der digitale Wandel gelingen, ist wohl vermessen. Denn ohne die Kompetenz und Erfahrung evidenzbasierter Psychologie und Organisationsentwicklung werden all die neuen Daten zwar viele deskriptive Dashboards erzeugen, aber keine tiefergehende Analyse und Interpretationshilfen im gegebenen Kontext liefern können, die zu einem echten Mehrwert und handlungsleitenden Erkenntnisse führen.

Weiterentwicklung der HR-Verantwortlichen zu „Data Scientists“

Nach einer kurzen Erholungspause ging es dann in die Nachmittagsvorträge, zunächst zu einem Roundtable und der Frage: „Brauchen wir Personal zukünftig noch?“ Diese Frage konnte vom Referenten glücklicherweise bejaht werden, wenngleich ohne eine Weiterentwicklung der HR-Verantwortlichen zu „Data Scientists“ und eine Digitalisierung in HR das Personalmanagement aus seiner Sicht kein Business Partner auf Augenhöhe werden kann.

Der Rest des Nachmittages war dem Trendforum Digital Culture gewidmet, in der es um die digitale Transformation ging sowie der Zukunft der Arbeit und – als Spezialfall – dem Arbeitsplatz der Zukunft. Danach können zukünftig nur Unternehmen erfolgreich sein, die einen „purpose-led“ aufweisen, also über eine Zweckbestimmung geführt werden, mit selbstorganisierten Teams, die end-to-end arbeiten in einem transparenten, als Netzwerk organisierten Unternehmen.

Bedingt durch die höhere Selbstverantwortung und eine individualisierter Arbeitswelt muss sich dann auch der Arbeitsplatz der Zukunft verändern, und wie der aussehen müsste, aber auch welche Risiken damit verbunden sein könnten, zeigte eine aktuelle Studie, her-ausgegeben von der Computerwoche, die druckfrisch an die Besucher des Forums ausgeteilt wurde und deren Key Findings von vier hochkarätigen Experten auf dem Podium diskutiert wurden. Ein rundum gelungener Abschluss eines sehr informativen und anregen-den Messetages.

Fazit: Empfehlenswert!

Fazit: Ein Messetag mag mit 8 ½ Stunden brutto kurz erscheinen. Aber mit einer guten Vorbereitung, die dank digital verfügbarem Aussteller- und Vortragsverzeichnis auf der Website der Zukunft Personal schnell gemacht ist, und etwas Disziplin bietet solch ein Messetag sehr gute Möglichkeiten, auf die Zukunft der Arbeit und die Entwicklung der Profession Human Resources zu schauen. Prädikat: Empfehlenswert – und eine gute Gelegenheit zu reflektieren, wo man selbst aktuell steht!“

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2018 findet die Zukunft Personal vom 11. bis 13. September statt – und damit wieder einmal parallel zur Digitalmesse dmexco. Wer also vollends in die digitale Welt eintauchen möchte, findet dazu im kommenden Jahr in Köln die besten Voraussetzungen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weitere Informationen:
www.zukunft-personal.de

Im Themenschwerpunkt „Coaching-Trends“ stehen neue Erkenntnisse zu Online-Coaching, Beiträgen der Hirnforschung zu Coaching, Introvisionscoaching sowie Grenzen zwischen Psychotherapie und Coaching.

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