Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Hier einzelne Ausgaben bestellen.
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Hier einzelne Ausgaben bestellen. Wirtschaftspsychologie aktuell

Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

4. Juli 2017

Digitalisierung verändert Personalpolitik

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Eine repräsentative Befragung von rund 12.000 Betrieben durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass inzwischen alle Wirtschaftsbereiche und der Großteil der Betriebe von Digitalisierung betroffen sind. Letztere bringe beträchtliche Veränderungen in der betrieblichen Personalpolitik mit sich und führe zu Handlungsbedarf sowohl seitens der Politik als auch in den Unternehmen selbst.

Höhere Anforderungen an zeitliche und inhaltliche Flexibilität

Der IAB-Studie zufolge beeinflusst die Digitalisierung die Anforderungen, die seitens der Arbeitgeber an neues Personal gestellt werden. „Eine zentrale Rolle spielen dabei Kenntnisse, die durch Weiterbildung erworben werden, sowie sozial-kommunikative Kompetenzen, die von den Arbeitgebern auf dem Weg zu Wirtschaft 4.0 zunehmend nachgefragt werden“, so die Forscher Anja Warning und Enzo Weber. Neueinstellungen in Betrieben mit Digitalisierungstrend seien außerdem mit höheren Anforderungen an die zeitliche und inhaltliche Flexibilität der neuen Mitarbeiter verknüpft.

Erhöhte Spielräume und unklare Grenzen

Die aufgrund der Digitalisierung steigenden Anforderungen können der Studie zufolge einerseits die Handlungs- und Entwicklungsspielräume für die Beschäftigten erhöhen, andererseits aber die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben zunehmend verschwimmen lassen. „Hier ist eine betriebliche Personalpolitik gefragt, die bei der Formulierung von Anforderungen die unterschiedlichen Interessen und Möglichkeiten verschiedener Gruppen von Beschäftigten berücksichtigt. Gesetzliche Regelungen müssen nach wie vor dem Schutz der Beschäftigten vor Überlastung gerecht werden, sollten aber auch Möglichkeiten bieten, auf der betrieblichen und sozialpartnerschaftlichen Ebene einzelfallgerechte Lösungen zu erarbeiten“, schreiben Warning und Weber.

Multifunktionales Verhalten erforderlich

Die Erkenntnisse des IAB korrespondieren mit den Erfahrungen der Gesundheitspsychologin Julia Scharnhorst vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP): „Die Konsequenzen der neuen Dynamik von Arbeitsprozessen verlangen beschleunigte Reaktionen und ein multifunktionales Verhalten. Immer mehr Dinge müssen gleichzeitig im Blick behalten oder erledigt werden. Computer dienen dabei nicht nur der Produktivitätssteigerung, sondern sind auch ein Instrument effektiver Kontrolle sowie entgrenzter Leistungsstimulanz, und das nicht nur bei den Lagerarbeitern, die Computer am Körper tragen, die jeden Handschlag registrieren, den Leistungsumfang überwachen und jeden Arbeitsschritt vorschreiben.“ Führungskräfte hätten oft kein Problembewusstsein dafür, dass es auch für Kontrolle gesetzliche und ethische Grenzen geben müsse.

Geprüfte Fachinfos
Jetzt zwei neue Hefte der Zeitschrift lesen.
Hier mehr erfahren.

Das IAB spricht in diesem Kontext z.B. von Anpassungen der Arbeitszeit, außerdem die Lage der Arbeitszeit, Urlaubsregelungen oder individuellen Freistellungen beispielsweise für Weiterbildung oder für Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagement. Eine solche Arbeitszeit-Anpassung für Führungskräfte bietet z.B. das von Arbeits- und Organisationspsychologen entwickelte Model „Führen in reduzierter Arbeitszeit“ (FIRA), das von Diplompsychologen Dr. Thomas Moldzio, das er beim Landestag der Psychologie in Stuttgart am 8. Juli vorstellen wird.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

http://doku.iab.de/kurzber/2017/kb1217.pdf
http://www.bdp-bw.de/aktuell/2017/
2017_ltp_ueberblick_wsinfos.html

Mehr zu diesem Thema:
Digitaler Wandel wird vernachlässigt
Die Organisation löst sich auf

Im Themenschwerpunkt „Coaching-Trends“ stehen neue Erkenntnisse zu Online-Coaching, Beiträgen der Hirnforschung zu Coaching, Introvisionscoaching sowie Grenzen zwischen Psychotherapie und Coaching.

Die Wirtschaftspsychologie aktuell im Schnupper-Abo testen.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.