Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

19. April 2012

Beschäftigte beklagen Arbeitsintensivierung

52 Prozent der Beschäftigten müssen sehr häufig oder oft gehetzt arbeiten. 63 Prozent geben an, dass sie seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten müssen. Dabei gilt generell: Je stärker die Arbeit intensiviert wird, desto mehr muss gehetzt werden. Und je länger die wöchentliche Arbeitszeit, desto größer ist die Arbeitshetze.

Das sind die zentralen Ergebnisse der jährlichen Repräsentativbefragung "Gute Arbeit" des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), bei der diesmal 6.083 Arbeitnehmer zum Thema Arbeitshetze und Arbeitsintensivierung befragt wurden.

Die Angaben der Beschäftigten zeigen auch, wie die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verschwimmen: Gut ein Viertel (27 Prozent) der Beschäftigten muss sehr häufig oder oft auch in der Freizeit für die Arbeit erreichbar sein. Jeder Siebte (15 Prozent) arbeitet sogar sehr häufig oder oft unbezahlt in seiner Freizeit.

Hohe psychische Belastungen

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass mehr als ein Drittel (37 Prozent) auch zu Hause an Schwierigkeiten bei der Arbeit denken muss. Fast die Hälfte (49 Prozent) der Arbeitnehmer geben an, dass sie im letzten Jahr mindestens zweimal zur Arbeit gegangen sind, obwohl sie sich „richtig krank“ gefühlt haben. Unter den Beschäftigten, die sehr häufig gehetzt arbeiten müssen, liegt der Anteil sogar bei 70 Prozent.

„Die psychischen Belastungen durch Arbeitsstress, Arbeitshetze und Arbeitsintensivierung sind so hoch, dass die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährdet sind“, sagte
Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied. „Wir brauchen kein Konditionstraining für die Beschäftigten, sondern vor allem Arbeitsbedingungen, die weniger Stress produzieren.“

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

DGB-Index Gute Arbeit (Hrsg.). (2012). Arbeitshetze, Arbeitsintensivierung, Entgrenzung: So beurteilen die Beschäftigten die Lage. Ergebnisse der Repräsentativumfrage 2011 der DGB-Index Gute Arbeit GmbH (PDF, 3 MB). Berlin: Herausgeber.

Martin-Niels Däfler (2012). Arbeitsgesundheit Stress schadet auch dem Unternehmen. Frankfurter Allgemeine Zeitung online.

Tina Groll (2010). Arbeitsbelastung: "Täglicher Stress ist kein Problem". Interview mit Tim Hagemann, Arbeitspsychologe. Zeit online.

Zur Ausgabe "Herausforderung Stress"

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