Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie 3. Februar 2012 Hirndoping ist unter Studierenden wenig verbreitetSeit einigen Jahren häufen sich Medienberichte, wonach immer mehr Studierende zu Pillen greifen, um ihre Leistung zu steigern oder um Leistungsdruck und Prüfungsstress besser standhalten zu können. Belastbare Daten über die Verbreitung von und die Motivation für Hirndoping unter Studierenden lagen bislang für Deutschland jedoch nicht vor. Eine Untersuchung des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) liefert nun erstmals repräsentative Erkenntnisse darüber, wie viele Studierende leistungssteigernde Mittel einnehmen und in welchen Situationen sie dies tun. Nur fünf Prozent HirndopendeEin zentrales Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass Hirndoping unter Studierenden keineswegs so verbreitet ist, wie es die mediale Aufmerksamkeit für das Thema suggeriert: Etwa fünf Prozent der Studierenden in Deutschland sind demnach zu den „Hirndopenden“ zu zählen. Für die Untersuchung wurden die Angaben von knapp 8000 Studierenden ausgewertet, die im Wintersemester 2010/11 an einer Online-Befragung teilgenommen hatten. Etwa fünf Prozent der Studierenden betreiben nach Definition der Studie Hirndoping. Sie nehmen verschreibungspflichtige Medikamente, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Psychostimulanzien oder Aufputschmittel ein, um die Studienanforderungen besser zu bewältigen. Die große Mehrheit greift allerdings selten bis sehr selten zu derartigen Mitteln. Weitere fünf Prozent der Studierenden zählt die Studie zur Gruppe der „Soft-Enhancenden“. Dies sind Studierende, die „weiche“ Mittel wie Vitaminpräparate, homöopathische und pflanzliche Substanzen, Koffein o. Ä. konsumieren, um ihre Leistungen zu steigern. Nervosität und Lampenfieber sollen bekämpft werden„Besonders wichtig war es für uns, mehr über die Motive der Studierenden für die Einnahme leistungssteigernder Mittel zu erfahren, denn sie sind entscheidend dafür, welche Mittel konsumiert und in welchen Situationen sie konsumiert werden“, erläutert Projektleiterin Dr. Elke Middendorff und eine der Autorinnen der Studie. „Wie unsere Befragung ergab, greifen Studierende besonders häufig zu Hirndoping, um Nervosität und Lampenfieber zu bekämpfen. Erst an zweiter Stelle steht das Ziel, die geistige Leistung zu steigern.“ Wirtschaftspsychologie-aktuell.de Weiterführende Informationen: Elke Middendorff, Jonas Poskowsky, Wolfgang Isserstedt (2012). Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studierenden. HISBUS-Befragung zur Verbreitung und zu Mustern von Hirndoping und Medikamentenmissbrauch (PDF). HIS: Forum Hochschule, 1/2012. Felicitas Kraemer (2011). Authenticity Anyone? The Enhancement of Emotions via Neuro-Psychopharmacology. Neuroethics, 4(1), 51-64. Gero Lawecki (2008). Hirndoping wird der neue Trend. Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky über Doping fürs Hirn. Kariere online. Petra Apfel (2011). Leistungssteigerung: Hirndoping mit Ritalin. Focus online. Andrea Schorsch (2011). Angepasst dank Droge: Wohin führt Hirndoping? Dr. Claus Normann im Gespräch mit n-tv.de. DAK (Hrsg.). (2009). Gesundheitsreport 2009. Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten. Schwerpunktthema: Doping am Arbeitsplatz (PDF). Zur Ausgabe "Professionelle Personalauswahl" Zur Ausgabe "Herausforderung Stress" Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell |
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