Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie 26. Januar 2012 Gefühle im Arbeitsalltag„Zeigt mehr Gefühl“, so ist der Beitrag von Sabine Hildebrandt-Woeckel aus der letzten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Rubrik „Beruf und Chance“, überschrieben. Darin erkundet sie, wie man mit Gefühlen bei der Arbeit umgehen soll. Die GefühlsexpertenGesprochen hat sie dafür u.a. mit: Tim Hagemann, Professor für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie, Bielefeld (nicht an der „Fachhochschule Bielefeld“, wie die Autorin schreibt), mit Friedrich-Wilhelm Falkenreck, Personalleiter bei Continental, mit Persönlichkeitstrainer Michael Blochberg (oder meint die Autorin den Bremer Trainer Michael Blochberger, der sich auf „Emotionalität im Management“ spezialisiert hat?) und mit dem Wiesbadener Trainer Roland Jäger, der das Buch „Ausgekuschelt: Unbequeme Wahrheiten für den Chef – Mitarbeiterführung auf dem Prüfstand“ geschrieben hat. Leider sind psychologisch fundierte Aussagen zu Gefühlen im Beitrag rar. Tim Hagemann wird mit dem Allgemeinplatz zitiert, dass „menschliches Handeln ohne Gefühle nicht möglich ist“. Roland Jäger sagt: „Wer seinen Gefühlen freien Lauf lässt, bringt sich in Teufels Küche“ und es sei wichtig, „möglichst offen über die eigene Gefühlslage zu sprechen“. Was man da allerdings genau sagen soll, bleibt offen. Was sind Emotionen?Die Autorin unternimmt keinen Versuch zu bestimmen, was Gefühle überhaupt sind. Nach über hundert Jahren Emotionsforschung haben sich Psychologen bislang nur auf eine Arbeitsdefinition verständigt, die besagt, dass Emotionen aktuelle Zustände darstellen, sich hinsichtlich Qualität und Intensität unterscheiden, objektgerichtet sind und mit einem bestimmten Erlebensmuster, physiologischen Reaktionen und Verhaltenstendenzen einhergehen. Die wichtigsten Emotionen sind: Freude, Dankbarkeit, Liebe, Leid (Trauer), Enttäuschung, Ärger, Wut, Angst (Furcht), Mitleid, Neid, Stolz, Scham, Nichtmögen (Hass), Verachtung, Ekel und Überraschung. Im Beitrag selbst wird aber nur auf die zwei Gefühle Wut und Liebe ausführlicher eingegangen, obwohl Ärger, Enttäuschung, Freude, Stolz oder Nichtmögen im Arbeitsalltag wesentlich häufiger vorkommen dürften. Fazit: Die Autorin reißt ein wichtiges Thema an und gibt allgemeine Expertentipps, bleibt aber mit der notwendigen psychologischen Betrachtung an der Oberfläche. Wirtschaftspsychologie-aktuell.de Weiterführende Informationen: Sabine Hildebrandt-Woeckel (2012). Emotionen im Büro: Zeigt mehr Gefühl! Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Zur Ausgabe "Professionelle Personalauswahl" Zur Ausgabe "Herausforderung Stress" Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell |
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