Nachrichten
aus der Wirtschaftspsychologie Produktiver durch Ablenkung im Internet? Kürzlich hat Tomasz Kurianowicz in einem Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung online eine Studie bemüht, welcher zufolge Klicken im Internet während der Arbeitszeit produktiver machen soll: „In Maßen konsumiert, könne das Internet sogar leistungssteigernde Wirkung entfalten. Das haben die Kopenhagener Psychologen innerhalb eines Experiments herausgefunden.“ Die Forscher dieser Studie "Verlockung bei der Arbeit" - Alessandro Bucciol, Daniel Houser und Marco Piovesan - sind allerdings Wirtschaftswissenschaftler und arbeiten an der Universität Verona, der George Mason University und der Harvard Business School. Am Laboratory for Experimental Economics (LEE) der Universität Kopenhagen wurde lediglich das Experiment durchgeführt. Das Experiment: Insgesamt sollten 61 Personen 10 Zählaufgaben am Bildschirm absolvieren. Davor wurden sie „in Versuchung“ geführt, auf ein lustiges Video zu klicken. Die eine Hälfte konnte dieses Video frei anschauen. Bei der anderen erschien auf dem Video eine Warnung, sich dieses nicht anzuschauen - dennoch konnten sie es abspielen. Ergebnis: Diejenigen, die gewarnt wurden, machten beim Zählen mehr Fehler als diejenigen, die sich das Video ohne Gewissensbisse anschauen konnten. Die Forscher schlussfolgern, dass die Internetnutzung komplett unmöglich gemacht oder (zu bestimmten Zeiten) vollständig erlaubt werden sollte. Eine Nutzungsmöglichkeit bei gleichzeitigem Verbot führe zu Produktivitätseinbußen. Allerdings waren die Unterschiede zwischen freiem Videoschauen (durchschnittlich 0,91 Fehler) und mit Verbot belegtem Anschauen (durchschnittlich 1,18 Fehler) gering. Am besten, so errechneten die Wissenschaftler, wäre es gewesen, ganz auf Ablenkung zu verzichten. Die Schlussfolgerung ist also, dass es ratsam ist, in keinen Ablenkungskonflikt (verlockendes Internetangebot bei gleichzeitig drohenden Sanktionen) zu geraten. Und nicht, wie vielfach kolportiert, sich im Internet zu verlustieren. Interessant ist auch noch die kleine Rezeptionsgeschichte der Studie. James Surowiecki berichtete mit „Lob der Ablenkung“ übertitelt im New Yorker davon, ohne die Quelle präzise zu nennen. Dieser Beitrag verbreitete sich dann schlagartig im Internet. Auch der Bericht von Tomasz Kurianowicz von der FAZ ist in Teilen zwillingsgleich daran angelehnt. Julia Christiane Hanauer im Südkurier machte daraus dann: „Facebook am Arbeitsplatz? Forscher geben grünes Licht“. Einen der objektivsten Berichte brachte Jochen Mai von Karrierebibel.de schon Mitte März. Erwähnenswert ist schließlich noch ein Interview mit dem Koautor der Originalstudie Marco Piovesan. Wirtschaftspsychologie-aktuell.de Weiterführende Informationen: Arbeitsbelastung - aber richtig! Ein Jahr lang im Arbeitsparadies Zur Ausgabe "Erfolgreich führen" Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell |
|