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Lernen von Mary Waller: Teaminteraktion bei Krisen

19. Januar 2010

Mary Waller ist Professorin für Organizational Behavior an der York University von Toronto. 1995 promovierte sie zum Thema Multitasking von Arbeitsteams. Auch ihr weiterer Forschungsschwerpunkt dreht sich um Arbeitsteams: Was können Arbeitsgruppen unter Stress leisten? Wie managen sie Krisen? Wie funktionieren Teams in komplexen technologischen Umgebungen?

Realitätsnaher Krisentest

In der letzten Ausgabe des Journal of Applied Psychology hat sie zusammen mit Alicia Stachowski und Seth Kaplan eine Untersuchung zur Teaminteraktion in Krisensituationen vorgelegt. Ihr Ansatz war im Gegensatz zu den meisten bisherigen Studien realitätsnah: Sie untersuchten 14 Kontrollteams aus Atomkraftwerken wie sie mit simulierten Krisen umgingen. Diesen Kontrollteams gehörten drei bis sechs Mitarbeiter an. Jeder Mitarbeiter hatte eine spezifische Teamfunktion inne, z.B. die Teamführung oder die Messkontrolle des Reaktors.

Hochleistungsteams punkten im Simulator

Jedes Team wurde in einem Simulator, der exakt einem herkömmlichen Kontrollraum glich, bestimmten Krisensituationen ausgesetzt. Diese Situationen waren nichtalltägliche und mit geringer Wahrscheinlichkeit auftretende Messwertstände, die aber in realen Kernkraftwerken schon aufgetreten waren. Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen Kontrollteams, die besonders gut mit den Krisensituationen fertig wurden, im Gegensatz zu den anderen Teams:

  • Die High Performing Crews (HPs) kommunizierten insgesamt weniger miteinander als die Average Performing Crews (APs).
  • Bei den HPs waren die Interaktionen weniger komplex als bei den APs.
  • Innerhalb der HPs waren weniger Mitglieder während einer Interaktion eingebunden als innerhalb der APs.
  • Die Interaktionen der HPs waren insgesamt kürzer als die der APs

Seltener, kürzer, einfacher, flexibler – so lässt sich zusammenfassend die Interaktion der High-Performance-Teams im Gegensatz zu den übrigen Teams beschreiben.

Sicherheitstrainings sollten Flexibilität vermitteln

Die Ergebnisse sollten laut Waller und Kollegen vor allem beim Sicherheitstraining berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Trainings, die viele Standardreaktionen auf bestimmte Gegebenheiten trainieren, sollten neue Trainings eher die Flexibilität und keine vorgefertigten Handlungen betonen. Zudem sollten Handlungsmuster erlernt werden, die einfach sind und weniger Teammitglieder einbeziehen.

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Weiterführende Informationen:

Stachowski, Alicia, A., Kaplan, Seth, A. and Waller, Mary J. (2009). The benefits of flexible team interaction during crises. Journal of Applied Psychology, 94, 1536-1543. Zum Abstract.

Mehr zu Arbeitsgruppen in der Ausgabe "Change"

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