Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Lernen von Christian Korunka: Intrapreneurship

18. September 2009

Christian Korunka, Jahrgang 1959, ist Professor für Arbeitspsychologie an der Universität Wien. Habilitiert hat er sich 1997 zum Thema „Rahmenbedingungen der Arbeit mit modernen Informationstechnologien: Umstellungen an Computerarbeitsplätzen und ihre Auswirkungen auf Beanspruchung und Zufriedenheit“. Vor Antritt seiner Wiener Professur 2007 war er mehrere Jahre Gastprofessor an der University of Wisconsin-Madison, USA.

Unternehmerpersönlichkeit

Ein Forschungsschwerpunkt von Christian Korunka ist die Unternehmerpersönlichkeit: Wie sieht die Ausbildung von Unternehmern aus? Welche Faktoren bedingen eine eigene Unternehmensgründung? Welche Merkmale zeichnen einen Unternehmer aus?

Intrapreneurship

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Personalpsychologie zeigt er zusammen mit Hermann Frank, Manfred Lueger und Markus Ebner, wie sich der Begriff des Unternehmers auch auf die Mitarbeiter eines Unternehmens ausdehnen lässt, die keine Eigentümer oder Gründer sind. Intrapreneurship – so das zugehörige Stichwort – ist das unternehmerische Handeln der Mitarbeiter, die proaktiv und eigenverantwortlich selbst zur Zielerreichung der Firma beitragen.

Eigenschaften von Unternehmern im Unternehmen

Unternehmerisch denkende Mitarbeiter haben vor allem folgende Eigenschaften:

  • Eigeninitiative. Der Angestellte ergreift selbst die Initiative. Er wartet nicht erst auf Arbeitsaufträge. Er sieht, was zu tun ist und handelt. Dabei wird mehr getan, als gefordert ist.
  • Leistungsmotivation. Ein Mitarbeiter mit hoher Leistungsmotivation sucht sich Aufgaben, die eine Herausforderung darstellen. Das kann z.B. ein aktuelles Problem sein, an dem schon andere Mitarbeiter bislang erfolglos arbeiteten.
  • Innovationsorientierung. Neue Produkte, Prozesse, Dienstleistungen müssen sein, um das Wachstum eines Unternehmens zu garantieren. Unternehmerisch handelnde Mitarbeiter haben nicht nur die notwendigen kreativen Ideen, sondern versuchen auch schrittweise diese umzusetzen.
  • Sozialkompetenz. Diese bezieht sich auf drei Facetten. Erstens auf Teamfähigkeit, d.h. mit anderen kooperativ zusammenarbeiten zu können. Zweitens zeigt sie sich in der Führungskompetenz, d.h. im Vermögen, anderen anleiten und auch kontrollieren zu können. Drittens ist damit Durchsetzungsvermögen verbunden, sich also auch gegen Widerstand Gehör zu verschaffen.

Studie: Motive und Ziele sind entscheidend

Die Autoren untersuchten in ihrer Studie, wie das unternehmerische Denken während der beruflichen Erstausbildung mit verschiedenen Kontext- und Persönlichkeitsfaktoren zusammenhängt. Dazu befragten sie rund 2.400 Lehrlinge zum Ausbildungskontext, zur Ausbildung selbst, zum persönlich wahrgenommenen Intrapreneurship und zu den eigenen Zukunftserwartungen. Die Ergebnisse:

  • Je stärker sogenannte Push-Motive sind – auf Druck von außen in die Lehre „zu flüchten“ –, desto geringer ist die unternehmerische Orientierung der Lehrlinge.
  • Je mehr Pull-Motive hingegen genannt werden – auf eigenen Wunsch eine Lehre und zudem im Wunschbetrieb zu beginnen –, desto geschärfter ist das empfundene Unternehmertum.
  • Intrapreneurship wird zudem gefördert durch betriebliches Unternehmertum des Ausbildungsbetriebs, durch hohe Anforderungsvielfalt in Schule und Betrieb und durch die soziale Unterstützung, die die Lehrlinge im Ausbildungsbetrieb erfahren.
  • Intrapreneurship-Ziele („Wenn sich meine Pläne erfüllen, werde ich in fünf Jahren eine höhere Funktion in meiner Firma haben.“) gibt eher derjenige an, der in einem kleinen, innovationsorientierten Betrieb seine Ausbildung absolviert.
  • Entrepreneurship-Ziele („Wenn sich meine Pläne erfüllen, werde ich in fünf Jahren selbstständig sein.“) werden von jenen Lehrlingen genannt, die eher mit der Berufsschule unzufrieden sind und Rollenvorbilder eines Unternehmers im eigenen Umfeld haben.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Korunka, C., Fank, H., Lueger, M. & Ebner, M. (2009). Entwicklung und Prüfung eines Modells zur Förderung von Intrapreneurship in der dualen Berufsausbildung. Zeitschrift für Personalpsychologie, 8, 129-146. Zum Abstract.

Dess, G. T. & Lumpkin, G. T. (2005). The role of entrepreneurial orientation in stimulating effective corporate entrepreneurship. Academy of Management Executive, 19, 147-156.

Korunka, C., Frank, H., Lueger, M. & Mugler, J. (2003). The entrepreneurial personality in the context of resources, environment, and the startup process: A configurational approach. Entrepreneurship Theory and Practice, 28, 23-42.

Kuhn, T. (2000). Internes Unternehmertum: Begründung und Bedingungen einer „kollektiven Kehrwendung“. München: Vahlen.

Rauch, A. & Frese, M. (2000). Psychological approaches to entrepreneurial success: A general model and an overview of findings. In C. L. Cooper & I. T. Robinson (Eds.), International review of industrial and organizational psychology (pp. 101-142). Chichester: Wiley.

Mehr zu Rollen eines Unternehmers in der Ausgabe „Going global“

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