Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Lernen von Fred Vondracek: Karriereverläufe

6. Mai 2009

Fred Vondracek ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Pennsylvania State University. Er begründete mit seinem Übersichtswerk „Career Development“ von 1986 den sogenannten „Developmental Contextualism“ für die berufliche Entwicklung. Damit führte er eine zeitgemäße entwicklungspsychologische Perspektive in die Laufbahnforschung ein.

Dieser Kontextualismus bedeutet, dass sich der Mitarbeiter in reziproker Interaktion mit seiner Umgebung befindet. Er beeinflusst das System seiner Kollegen, seines Arbeitgebers, seiner Familie und kann damit die eigene Umwelt gestalten. Umgekehrt wird er vom Kontext, von der Kultur, ökonomischen Gegebenheiten und historischen Entwicklungen beeinflusst.

Studie zum Karriereverlauf

In der aktuellen Ausgabe des Journal of Vocational Behavior haben Fred Vondracek zusammen mit Matthias Reitzle und Astrid Körner von der Schiller-Universität Jena psychologische Faktoren und Erfolgsmaße untersucht, die mit bestimmten Karriereverläufen einhergehen. Dazu wurden die Daten von 1.368 Personen aus der Jenaer Studie zum sozialem Wandel (Jena Study on Social Change and Human Development) ausgewertet.

Karrieremuster

Die Befragten sollten zu ihrer bisherigen Karriere ein Linienmuster auswählen, das am besten zu ihnen passt. Daraus resultierten folgende Karriereverläufe:

  • Aufsteigend: Die Linie weist nach oben. Bezogen auf Einkommen und Position gibt es eine positive Entwicklung.
  • Unterbrochen aufsteigend: Eine Zickzack-Linie geht tendenziell nach oben. Im bisherigen Verlauf gab es Rückschläge (Versetzung, Arbeitslosigkeit, geringeres Einkommen).
  • Abfallend: Die Linie verläuft nach unten. Der Befragte hat ein geringes Einkommen oder eine weniger qualifizierte Stelle als zu Beginn seiner Laufbahn.
  • Unterbrochen abfallend: Eine Zickzack-Linie ist abfallend. Tendenziell hat der Befragte eine schlechtere berufliche Position als zu Beginn, aber mit positiven Entwicklungen zwischendrin.
  • Stabil: Eine waagrechte Linie. An der beruflichen Position und am Einkommen hat sich wenig geändert.

Position, Einkommen und Ressourcen

Welche Erfolgsmaße und Einstellungen waren mit diesen Karrieremustern verbunden?
  • Erwartungsgemäß erzielten diejenigen mit aufsteigenden Karrieren das höchste Einkommen. Sie waren zusammen mit den Personen, die eine stabile Karriere angaben, am meisten mit ihrer beruflichen Entwicklung zufrieden.
  • Diejenigen mit abfallenden Berufsverläufen waren unzufriedener mit ihrer Situation und gaben auch eine schlechtere finanzielle Situation als ihre erfolgreicheren Mitbefragten an.
  • Personen mit aufsteigenden Karrieren berichteten im Vergleich zu denen mit abfallenden Verläufen, dass die Arbeit weniger von ihnen abverlangte, dass sie über mehr Optimismus und Selbstvertrauen verfügten und auf ein besseres soziales Netzwerk zurückgreifen konnten.
  • Es zeigte sich auch ein Ost-West-Unterschied: In einigen westlichen Bundesländern war eine erfolgreiche Karriere an eine höhere Bildung gekoppelt, und es gaben mehr Männer als Frauen einen aufsteigenden Verlauf an. Im Osten gab es diese Zusammenhänge nicht.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die bisherigen beruflichen Positionen, die Einkommensentwicklung, gute persönliche Ressourcen und soziale Beziehungen einen positiven Karriereverlauf wahrscheinlicher machen.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Matthias Reitzle, Astrid Körner, Fred W. Vondracek (2009). Psychological and demographic correlates of career patterns. Journal of Vocational Behavior, 74 (3), 308-320.

Fred W. Vondracek, Richard M. Lerner, John E. Schulenberg (1986). Career development: A lifespan developmental approach. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum.

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