Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management

Lernen von Thomas Ng:
Sagt die Ausbildung die Arbeitsleistung voraus?


23. April 2009

Dr. Thomas Ng ist Juniorprofessor an der School of Business der Universität von Hongkong. Seine Forschungsschwerpunkte sind die berufliche Entwicklung, berufliches Commitment und die Persönlichkeit im Arbeitsalltag. 2005 veröffentlichte er zusammen mit drei Kollegen von der University of Georgia eine viel beachtete Metaanalyse zu den Prädiktoren des Berufserfolgs.

Letztes Jahr stellten er und Daniel Feldman in einer Metaanalyse zu Altersunterschieden bei der Arbeitsleistung fest, dass es keine grundlegenden Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmern hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit gibt.

Neue Metaanalyse

Nun hat er wieder zusammen mit Daniel Feldman in der Fachzeitschrift Personnel Psychology eine Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen Ausbildung und Arbeitsleistung vorgelegt. Kann die Ausbildung die Arbeitsleistung vorhersagen? Um dieser Frage nachzugehen, werteten die Autoren insgesamt 293 Studien mit 332 unabhängigen Stichproben aus.

Das Ausbildungsniveau bewegte sich zwischen Schulabschluss, Berufsausbildung und Hochschulabschluss. Die Arbeitsleistung wurde anhand von neun Indikatoren erfasst (Arbeitsleistung im engeren Sinn, Weiterbildungserfolg, freiwilliges Arbeitsengagement, Kreativität, unternehmensschädigendes Verhalten, aggressives Verhalten, Substanzmissbrauch, Pünktlichkeit und Fehlen am Arbeitsplatz). Die Ergebnisse:

  • Die schulische und berufliche Ausbildung sagte die Arbeitsleistung im engeren Sinne voraus. Der mittlere Zusammenhang zwischen Ausbildungsniveau und objektiven Leistungskennzahlen betrug immerhin r = .24.
  • Ein höheres Ausbildungsniveau ging zudem mit freiwilligem Arbeitsengagement (Organizational Citizenship Behavior, mit bis zu r =.17) und mit Kreativität am Arbeitplatz (mit bis zu r = .27) einher.
  • Arbeitnehmer mit umfassender Ausbildung nahmen weniger Drogen, waren weniger aggressiv und fehlten seltener am Arbeitspatz.
  • Die Ausbildung sagte allerdings nicht den Erfolg bei Weiterbildungen, unternehmensschädigendes Verhalten oder Pünktlichkeit vorher.
  • Zudem fanden sich Moderatoren: Der Zusammenhang zwischen Ausbildung und Arbeitsleistung war größer bei 1) komplexen Aufgaben im Gegensatz zu weniger komplexen, 2) bei Männern im Vergleich zu Frauen und 3) bei Weißen verglichen mit Personen anderer ethnischer Herkunft.

Ausbildungserfolg zählt

Die Autoren schlussfolgern, dass der Ausbildungserfolg nach wie vor ein hilfreicher Anker bei der Personalauswahl ist. Allerdings sollten die Mindestvoraussetzungen bei der Ausbildung entsprechend den Stellenanforderungen festgelegt werden. Als Auswahlkriterium für eine berufsbegleitende Weiterbildung scheint sich das Ausbildungsniveau weniger gut zu eignen.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Thomas W. H. Ng, Daniel C. Feldman (2008). The relationship of age to ten dimensions of job performance. Journal of Applied Psychology, 93, 392-423.

Thomas W. H. Ng, Daniel C. Feldman (2009). How broadly does education contribute to job performance? Personnel Psychology, 62, 89-134.

Thomas W. H, Ng, Lillian T. Eby, Kelly L. Sorensen, Daniel C. Feldman (2005). Predictors of objective and subjective career success: A meta-analysis. Personnel Psychology, 58, 367-408.

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