Lernen von Heike Bruch: Führung von Hoch-Energie-Teams
11. Dezember 2008
Wie gelingt
es, trotz Arbeitsbelastung und hoher Ansprüche mit großer Energie Ziele
zu verfolgen? Antworten auf diese Frage gibt Heike Bruch, Direktorin
der Universität St. Gallen und des dortigen Instituts für Führung und
Personalmanagement. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist Führungshandeln. Sie
kann bereits auf eine bemerkenswerte Karriere mit Stationen in Berlin,
Hannover, London und St. Gallen zurückblicken und hat zahlreiche Preise
für Best Papers oder Case Writings gewonnen. Zusammen mit ihren
Mitarbeitern hat sie 2001 das Forschungsprojekt „Organizational Energy
Program (OEP)“ aufgelegt, das zusammen mit großen internationalen
sowie klein- und mittelständischen Firmen unternehmerische
Energien aufspürt. Gerade hat sie zusammen mit Stephan Böhm einen
Beitrag zur Führung von Hoch-Energie-Teams im Sammelband
„Hochleistungsmanagement“ veröffentlicht, der im Gabler-Verlag
erschienen ist.
Team-Energie ist das Ausmaß, mit dem das gesamte
emotionale, geistige und verhaltensbezogene Potenzial eingesetzt wird,
um konkrete Ziele zu verfolgen. Je nach Intensität und Qualität der
Energie unterscheidet Bruch verschiedene Energiezustände. Angestrebt
wird eine produktive Energie, bei der mit großer Aufmerksamkeit
relevante Ziele fokussiert und erfolgskritische Aktivitäten zur
Zielerreichung angegangen werden. Energie kann mobilisiert werden,
indem Bedrohungen (z.B. der Verlust von Schlüsselkunden oder
finanzielle Krisen) bewältigt und Zukunftschancen (z.B. ehrgeizige
Wachstumsziele oder innovative Produkte) ergriffen werden. Eine weitere
Herausforderung ist es, Team-Energie auch langfristig
aufrechtzuerhalten. Die Autoren schlagen dazu folgende Maßnahmen vor:
- Regenerierungsräume schaffen: Mitarbeiter können nicht immer an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. Sie
müssen sich auch erholen können. Daher sollten die Aktivitäten so
geplant werden, dass sich Phasen mit geringerem Arbeitsaufkommen und
Stressphasen abwechseln. Für die Suche nach neuen Ideen haben sich
Ruheinseln bewährt, die zum Tüfteln und Entspannen einladen.
- Überaktivität abbauen: Oft verpufft die Betriebsamkeit im Team, weil sie nicht zielgerichtet
ist. Diese unnütze Überaktivität gerät allzu oft aus dem Blick. Dabei
ist unabdingbar, dass Teamleiter zusammen mit ihren Mitarbeitern nach
Wegen suchen, wie diese Überaktivität erfasst und zukünftig reduziert
werden kann.
- Status quo hinterfragen: Strategien sollten regelmäßig hinterfragt werden. Zur Erfolgsanalyse
können Kennzahlen und Frühwarnsysteme eingesetzt werden. Damit ist es
möglich, Fehlentwicklungen und neue Trends zu erkennen und die
Strategie darauf neu auszurichten.
- Transformational und problemorientiert führen: Beide Führungsansätze sollten miteinander verbunden werden. Bei der
tranformationalen Führung setzt der Leader sein Charisma ein,
vermittelt eine Vision, begreift Führung als intellektuelle
Stimulierung und ist seinen Mitarbeitern ein Mentor. Problemorientiert
führen heißt, darauf hinzuwirken, dass Gefahren und Missstände
frühzeitig erkannt und beseitigt werden.
- Zielgerichtetes Handeln von Führungskräften fördern: Führungskräfte sind häufig sehr aktiv, dabei aber nur selten mit
wirklich ertragreichen Tätigkeiten oder anspruchsvollen Planungen
befasst. Statt zielferner Betriebsamkeit (Busyness) und lediglich
episodischem Reagieren auf neue Probleme (Feuerlöschen) sollten Leader
mit großer Energie die wirklich zielführenden Tätigkeiten angehen.
- Unternehmenskultur weiterentwickeln: Hierbei wird angestrebt, erfolgsversprechende Verhaltensweisen (z.B.
Leistungswille und proaktives Handeln) im Unternehmen zu kultivieren.
Entwicklungsmaßnahmen können nach Maßgabe des Anforderungsprofils im
Bereich der Personalauswahl und -entwicklung umgesetzt werden.
Mehr zu Heike Bruch.
tf
– Quelle: Bruch, H. & Böhm, S. (2008). Führung von
Hoch-Energie-Teams. In P. Pawlowsky & P. Mistle (Hrsg.),
Hochleistungsmanagement (S. 250-268). Wiesbaden: Gabler.
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