Lernen von Martin Kleinmann: Transparenz von Einstellungsinterviews
4. Dezember 2008
Martin
Kleinmann, Professor für Arbeits- und
Organisationspsychologie an der
Universität Zürich, beschäftigt sich intensiv mit Personalauswahl,
Leistungsbeurteilung und Zeitmanagement. Sein Verdienst es, sich immer
wieder für den Wissenstransfer in die Praxis stark zu machen. Sein Team
hat z. B. mit Henkel, der Commerzbank oder der Bank Julius Bär
zusammengearbeitet. Seine akademische Ausbildung erhielt er
vor
allem an der Universität Kiel. Professuren in Arbeits- und
Organisationspsychologie führten ihn später nach Marburg und
schließlich nach Zürich. Zusammen mit seinen Kollegen Ute-Christine
Klehe, Cornelius König, Gerald Richter und Klaus Melchers hat dieses
Jahr in der Zeitschrift "Human Performance" einen Artikel zur wichtigen
Frage vorgelegt, ob Einstellungsinterviews für Bewerber hinsichtlich
der erhobenen Kriterien transparent sein sollten oder nicht.
Mit
insgesamt fast 400 Uni-Absolventen wurde die Transparenz
von
Einstellungsinterviews in strukturierten simulierten
Bewerbungsgesprächen getestet. Die vier Hauptkriterien, die bei den
Interviews erfasst wurden, waren 1) systematisches Planungsvermögen, 2)
Eignung zur Mitarbeiterführung, 3) das eigene Informationsmanagement
und 4) Fähigkeiten zum kooperativen Arbeiten. In einer Teilgruppe
wurden die Teilnehmer der Studie über die erfassten Kriterien
ausführlich per Leitfaden informiert (transparente Bedingung), in der
anderen nicht (intransparente Bedingung). Insgesamt zeigte sich, dass
Teilnehmer besser im Interview abschnitten, wenn mehr Transparenz
gegeben war. Zudem war die Validität in diesen Einstellungsinterviews
besser, d.h. die Gespräche erfassten inhaltlich besser die intendierten
Kriterien. Die Autoren halten sich allerdings mit Empfehlungen für die
Praxis zurück, da derzeit noch fraglich ist, ob transparente
Bewerbungsgespräche auch hinsichtlich der späteren Arbeitsleistung und
des Berufserfolgs aussagekräftiger sind als intransparente. Denn das
sind die entscheidenden Zielkriterien. Jedoch kann schon jetzt
festgestellt werden, dass Transparenz aus Bewerbersicht die Fairness
des Interviews erhöht. Und Arbeitgeber dürften ein Interesse daran
haben, wenn den Bewerbern von vornherein klar ist, auf welche
Leistungsanforderungen es dem Unternehmen ankommt.
Mehr über Professor Martin Kleinmann.
Zum Abstract der Studie in „Human
Performance“.
"Eignungsdiagnostik" in der
Wirtschaftspsychologie aktuell.
tf – Quelle: Human Performance
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