Lernen von Ernst Hoff: Aufgabenfelder von Laufbahnberatung
20.
November 2008
Ernst Hoff ist Psychologie-Professor an der Freien Universität
Berlin. Er leitet
dort seit 1989 den Bereich der Arbeits-, Berufs- und
Organisationspsychologie. Vorher war er Assistent an der Universität
Göttingen, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
in Berlin und Professor an der Bundeswehruniversität München. Er gilt
in Deutschland neben Hans-Uwe Hohner und Andrea Abele zu den führenden
Experten für Berufswahl und Laufbahnentwicklung (Career Choice and
Development). Gerade ist der Band „Angewandte Entwicklungspsychologie“
der Enzyklopädie der Psychologie erschienen mit einem Beitrag von
Hans-Uwe Hohner und Ernst Hoff zum Thema: „Berufliche Entwicklung und
Laufbahnberatung“.
Als derzeit zentrale
psychologische Modelle der
Laufbahnentwicklung nennen die Autoren:
- Das Modell der erfolgreichen Berufswahl von
Holland.
Es klassifiziert berufliche Interessen und Umwelten in RIASEC:
Realistic (z.B. Bauarbeiter), Investigative (z.B. Wissenschaftler),
Artistic (z.B. Künstler), Social (z.B. Kindergärtnerin), Enterprising
(z.B. Manager) und Conventional (z.B. Verwaltungsangestellter). Stimmen
Interessens- und Umweltprofil überein, ist die Person erfolgreich.
- Das Modell der Laufbahnentwicklung von Super.
Neben altersbezogenen Entwicklungsstadien postuliert es bestimmte
Laufbahnmuster: konventionell (klassische Karriere in einem
Berufsfeld), stabil (lebenslang ein Beruf), instabil (mehrere
Berufsfeldwechsel), multiple (extrem unstete Laufbahn), unterbrochen
(bei Frauen nach Erziehungszeit) und doppelgleisig (bei Frauen
Teilzeit- und häusliche Tätigkeit).
- Das dynamische Modell der Lebensplanung von
Abele.
Persönliche Ziele, Erwartungen und Erfolgsvorstellungen und an das
Geschlecht gebundene Rollenerwartungen bestimmen die berufliche
Entwicklung.
- Das
integrativ-kontrolltheoretische Modell von Hohner.
Vier Ebenen werden unterschieden: die der subjektiven
Kontrolle, der faktischen Restriktionen, der
wahrgenommenen
Restriktionen und der Handlungen. Faktische Restriktionen im
Umfeld (z.B. kein Mentor im Beruf) hemmen erst dann die berufliche
Entwicklung, wenn diese als negativ wahrgenommen werden und man selbst
keine Möglichkeit sieht, diese zu überwinden.
Ausgehend
von
den in den Modellen genannten kritischen psychischen Größen -
Interessen, Entwicklung, Ziele, Erwartungen, Kontrollwahrnehmung -
können folgende Aufgabenfelder
von Laufbahnberatung ausgemacht werden:
- Potenzialanalyse.
Hierbei wird nicht wie in der Personalauswahl üblich vom
Anforderungsprofil einer Stelle ausgegangen, sondern von den Zielen und
Erwartungen des Klienten. Sein Potenzial zeigt sich in seinen
Interessen, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen.
Testverfahren, die eingesetzt werden können, sind z.B. der
Interessenstest "Explorix". Entsprechend dem Potenzial wird in
einem zweiten Schritt der Beruf gesucht, der am besten dazu passt.
- Vorbereitung für die Bewerbung.
Hier werden Kompetenzen für kritische Situationen im Bewerbungsprozess
trainiert, z.B. für Assessment Center, Bewerbungsgespräch und
Eignungstests.
- Beratung
für Existenzgründer und Unternehmer.
Im Mittelpunkt stehen hier Fragen wie: Soll der Klient ein eigenes
Unternehmen gründen? Welche Stärken und Schwächen bringt er als
Unternehmerpersönlichkeit mit? Innerhalb der Beratung werden die
persönliche Sichtweise, die Kompetenzen und die materiellen Umstände
genauer betrachtet.
- Beratung
zur Lebensgestaltung.
Hier wird die Work-Life-Balance des Klienten untersucht: Segmentation
(Beruf und Freizeit werden strikt getrennt), Inegration (Beruf und
Freizeit greifen ineinander) oder Entgrenzung (Beruf und Freizeit
verschmelzen). Nach einer Zielanalyse können geeignete Maßnahmen
abgeleitet werden, wie sich berufliche und private Ziele miteinander
vereinbaren lassen.
- Beratung
bei biografischen Brüchen.
Sie ist angezeigt, wenn eine Person ihren Job verliert, sich beruflich
umorientieren muss oder im Rahmen eines Outplacements neue Perspektiven
sucht. Nach einer Situationsanalyse wird der weitere berufliche
Werdegang geplant. Die Beratung dient schließlich dazu, den Klienten
bei seiner Wiedereingliederung zu motivieren und zu unterstützen.
Thema von Heft 1/2009 der
Wirtschaftspsychologie aktuell werden auch Karriereverläufe sein.
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Luiza Olos und Ernst Hoff zu Berufsverläufen
von Psychologen aus Report Psychologie 5/2007 (PDF).
Zum Band „Angewandte
Entwicklungspsychologie“ der Enzyklopädie der Psychologie.
Petermann, F. & Schneider, W. (Hrsg.). (2008).
Enzyklopädie der Psychologie: Angewandte Entwicklungspsychologie.
Göttingen: Hogrefe.
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