Wirtschaftspsychologie aktuell - Zeitschrift für Personal und Management
Lernen von Teresa Amabile: Kreativitäts-Guide für Manager

6. November 2008
Teresa Amabile hat nicht nur einen schön klingenden Namen – „amabile“, eine beliebte musikalische Vortragsanweisung, bedeutet im Italienischen „lieblich, zärtlich“ – auch ihre berufliche Leidenschaft ist schillernd: die Kreativität. Schon seit über 30 Jahren beschäftigt sie sich damit. 1986 erschien ihre Monographie „The Social Psychology of Creativity“, zehn Jahres später ihr Update davon „Creativity in Context“. Sie hat darin vor allem auf die unabweisbare Macht des Umfelds hingewiesen. Ohne stimulierende Atmosphäre, bereichernde Lektüre, faszinierende Menschen oder schmucke Räumlichkeiten kann sich auch das größte Genie nicht entfalten. Amabile ist Professorin für Management an der Harvard Business School und hat ihre Kreativitätsforschung Schritt für Schritt für das Innovationsmanagement in Unternehmen übersetzt. Inzwischen hat sie mit Procter & Gamble, Novartis oder Motorola zusammengearbeitet. Vor kurzem organisierte sie an der Harvard Business School ein zweitägiges Kolloquium zur Frage, wie ein Management aussehen kann, das zu kreativem Output, zu Innovationen, führt. Die Ergebnisse hat sie zusammen mit Mukti Khaire in der aktuellen Oktober-Ausgabe des Harvard Business Review veröffentlicht. Ein Kreativitäts-Guide für Manager sieht folgendermaßen aus:

  • Viele Ideenquellen nutzen. Das Management ist das neugierige Auditorium. Es stellt inspirierende Fragen und hat seinen Sensor wohlwollend auf neue Ideen ausgerichtet, die aus dem täglichen Arbeitsprozess heraus entstehen.
  • Zusammenarbeit fördern. Gegen den Mythos des einsamen Genies sollte man ankämpfen. „Superstar“ sollten nur diejenigen in Unternehmen werden, die anderen dabei helfen erfolgreich zu sein. Kreative Metaphern, Analogien, Geschichten helfen Teams dabei, sich gegenseitig bei der Entstehung innovativer Produkte zu unterstützen.
  • Diversität betonen. Leute mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund gilt es zusammenzubringen. Diversität ist aber auch durch alltägliche Erfahrung möglich: neue Eindrücke, andersartige Teambesprechungen etc. Eine Arbeitsgruppe sollte auch offen gegenüber kreativen Externen sein, die direkt mitarbeiten oder einfach nur Vorbilder sein können.
  • Die einzelnen Phasen der Kreativität berücksichtigen. Ein Prozessmanagement unterstützt die optimale Umsetzung von Generierung, Bewertung, Konzeption, Umsetzung und Erfolgsmessung von Ideen. Es versteht sich von selbst, dass dafür genügend Zeit und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Und schließlich: Kreativität küsst Kommerz. Die neuen Produkte oder Dienstleistungen müssen in ein Erlösmodell übersetzt werden.
  • Fehler akzeptieren. Die Mitarbeiter sollten das Gefühl bekommen, dass Fehler und Misserfolge nicht geahndet werden, sondern im Gegenteil, erwünscht sind. Eine frühe Fehlererkennung verhindert kostspielige Ausfälle in der späteren Umsetzungsphase.
  • Intellektuell herausfordernd motivieren. Die Entwickler und Tüftler sollten vom Kostendruck weitestgehend abgeschirmt werden. Ebenso sollte verhindert werden, dass kreative Prozesse durch zu viel Bürokratie abgewürgt werden. Unabhängigkeit ist wichtig. Mitarbeitern sollte der Freiraum gegeben werden – z.B. durch bezahlte Kreativitäts-Stunden – in ihrer täglichen Arbeit richtig schöpferisch sein zu können.

Zum Harvard Business Review.

Herzstück der Ausgabe 4/2008 der Wirtschaftspsychologie aktuell, die am 18. Dezember 2008 erscheint, sind auch kreative Prozesse im Unternehmen.


tf – Quelle: Harvard Business Review


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