Lernen von Donald E. Super: Wie entwickelt sich eine Karriere?
28. August 2008
Wie entwickelt sich eine Karriere? Das war die zentrale Frage, die Donald E. Super (1910-1994) Zeit seines Lebens bewegte. Er
lehrte Psychologie an der Columbia University und gilt als einer der
Pioniere in der modernen Laufbahnforschung. Schon früh griff er
entwicklungs- psychologische Ansätze auf und formulierte in seinem
ersten Hauptwerk „Psychology and Careers“ von 1957 fünf generelle
Laufbahnstadien. Später ergänzte er seine Perspektive der Lebenszeit um
die des Lebensraums. Er zeigte, wie ein Mensch im Laufe seiner
Entwicklung seinen einzelnen Rollen (Beruf, Freizeit, Eltern) gerecht
wird, die der jeweilige Lebensraum erfordert. Vordergründig scheint es,
dass mit den Laufbahnstadien von Donald Super ein Musterlebenslauf
entworfen wird, der so in Reinform nirgends zu finden ist. Er hat
jedoch nur Zeiträume skizziert, in denen – von Person und Umwelt
beeinflusst – charakteristische berufliche Entwicklungen stattfinden.
Schon in „Psychology and Careers“ beschrieb er häufige instabile oder
wechselnde Laufbahnmuster, bei denen sich eine Person nicht auf eine
Berufsausübung beschränkt, sondern oft Beschäftigung oder Art der
Tätigkeit wechselt. Zur Analyse der eigenen Karriereziele innerhalb
einer Berufsberatung stellen Supers Laufbahnstadien nach wie vor ein
geeignetes Gerüst dar:
- Wachstum (0-14 Jahre). In dieser Phase der physischen und
psychischen Reifung entwickelt der Jugendliche langsam ein
Berufskonzept. Besonders die Eindrücke aus der familiären Umgebung
werden aufgenommen. Interessen und Fähigkeiten formen den ersten
Berufswunsch.
- Exploration
(14-25 Jahre). Entscheiden, Ausprobieren, Verwerfen - damit ist die Explorationsphase
umrissen. Ein Schüler geht seinen ersten Aushilfstätigkeiten nach. Er
entscheidet sich für eine Berufsausbildung oder ein Studium und bricht
die Ausbildung mitunter ab, wenn sie mit seinen Berufswünschen doch
nicht in Einklang zu bringen ist. Nach erfolgreichem
Ausbildungsabschluss winkt in dieser Phase die erste Festanstellung.
- Etablierung (25-44
Jahre). Berufseinstieg
und stetige Professionalisierung bestimmen die Phase der Etablierung.
Als Young Professional hat man erste weitreichende Verantwortung, man
gewinnt zunehmend Handlungswissen. Neue Aufstiegschancen werden
gesucht, und sei es durch einen Wechsel des Arbeitgebers. Gegen Ende
dieser Phase kann sich auch Ernüchterung einstellen. Eine berufliche
Neuorientierung oder eine Selbstständigkeit können erwogen werden.
- Erhaltung (45-65
Jahre). Die Phase der
Erhaltung schreibt die gewählte berufliche Tätigkeit fort. Man wird zum
Profi in seinem Bereich. Neue Führungspositionen tun sich auf. Das
eigene Expertenwissen ist gefragt. Gegen Ende dieser Periode können
Altersteilzeit oder Vorruhestand auch vorzeitig die Erwerbsarbeit
unterbrechen.
- Rückgang
(65-X Jahre). Die
beruflichen Aktivitäten nehmen ab 65 mehr und mehr ab. Die
Leistungsfähigkeit kann ab diesem Alter spürbar eingeschränkt sein.
Nach Super beginnt der eigentliche Ruhestand erst mit Anfang 70. Bis
dahin kann ein Mensch noch aktiv und vor allem lustvoll seiner Arbeit
nachgehen.
tf
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