Lernen von Paul R. Sackett: Personalauswahl in Unternehmen
17.
Juli 2008
Paul
R.
Sackett, Jahrgang 1953, ist Professor an der University of
Minnesota
und beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit der Personalauswahl in Unternehmen.
1993/1994 war er Präsident der Society for Industrial and
Organizational Psychology, der Division 14 of the American
Psychological Association. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist das
Dilemma von Auswahlverfahren, die einerseits zur Auswahl möglichst
leistungsfähiger Bewerber beitragen, andererseits aber die ethnische
Vielfalt von Mitarbeitern in Unternehmen einschränken.
Leistungsbezogene
Auslese bei größtmöglicher Employee Diversity – ist das möglich? Paul
Sackett legte zu dieser Frage in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen
1994 und 2001 zwei umfassende Reviews im American Psychologist vor.
Zunächst einmal so viel: Beide Ziele – also bestmögliche Leistung der
Jobanwärter und gleichzeitig ihre möglichst verschiedenartige ethnische
Herkunft sichern – lassen sich nicht zugleich maximieren. Aber man kann
allen Bewerbern die gleiche Chance geben, indem z.B. weniger
sprachbezogene Tests eingesetzt werden, wenn es im Job später egal ist,
ob Englisch oder Deutsch gesprochen wird. Zudem sollte nur das
Verhalten im Auswahlverfahren überprüft werden, das später eindeutig am
Arbeitsplatz verlangt wird und leistungsrelevant ist. So
können
für alle Bewerber faire und transparente Auswahlbedingungen geschaffen
werden. Das Risiko wird damit gebannt, dass die Führungsriege zu „weiß,
deutsch und männlich“ bleibt, wie Peter Löscher es für Siemens sieht.
Ein
anderer Forschungsschwerpunkt von Paul Sackett ist Fehlverhalten von Mitarbeitern am Arbeitsplatz. 2007 legte er im Journal of
Applied Psychology
zusammen mit Christopher Berry und Deniz Ones eine Metaanalyse zur
Frage vor, wie deviantes Verhalten im Alltag und am Arbeitsplatz in
Bezug zu anderen Kriterien zusammenhängen. Deviantes Verhalten in
zwischenmenschlichen Beziehungen und am Arbeitsplatz korreliert hoch
miteinander. Ausgeprägtes Fehlverhalten geht dabei mit geringerer
erlebter Organisationszugehörigkeit, mit geringerer Verträglichkeit und
Gewissenhaftigkeit sowie mit emotionaler Instabilität einher.
Demographische Variablen können bei diesen Zusammenhängen
vernachlässigt werden. Sie haben nur einen geringen Einfluss. Paul
Sackett bekam 2007 für seine exzellente Forschung und seine Verdienste
für Forschung, Lehre und Praxis den Herbert Heneman Jr. Award for
Career Achievement der Academy of Management. Mehr zu Paul Sackett.
tf – Quellen: American Psychologist,
Journal of Applied Psychology
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