Lernen von Mihaly Csikszentmihalyi: Flow am Arbeitsplatz
3.
Juli 2008
Jeder
kennt sie, die erhebenden Gefühle im Job. Sie stellen sich z.B. nach
einem anspruchsvollen Meeting, einem intensiven Gespräch, einer
kreativen Ausarbeitung oder einer kniffligen Analyse ein. Während
dieser Tätigkeiten geht man völlig auf. Danach fühlt man sich wie auf
einer neuen Wissensstufe. Mihaly
Csikszentmihalyi, Psychologieprofessor
an der Clermont Graduate University, hat diesen Zustand „Flow“
bezeichnet. Er beschäftigte sich seit den 1970er Jahren mit dieser Art
Hochgefühl, verwendete den Begriff „Flow“ aber erstmalig 1988 im von
ihm herausgegebenen Sammelband „Optimal experience: Psychological
studies of flow in consciousness“. Beim Flow vergisst man seine eigene
Person, Handlungen und Gedanken entsprechen sich und reihen sich wie
von selbst aneinander. Die Ziele sind klar, die Anforderungen stimmen
mit unseren Fähigkeiten überein und man erhält sofortiges Feedback aus
dem, was man tut.
Doch wie
sieht es mit Flow am Arbeitsplatz aus? 36% der wöchentlich 112 Wachstunden verbringen wir
durchschnittlich mit Arbeiten. Flow könnte uns in dieser Zeit mehr
Lebensqualität geben und die Unzufriedenheit ersetzen, die so oft
vorherrscht. Die Gründe, weshalb man mit seiner Arbeit unzufrieden ist,
sind nach Csikszentmihalyi vor allem Sinnlosigkeit, Langeweile und
Stress. Durch folgende Schritte können diese Negativfaktoren gebannt
werden:
- Zunächst sollte man sich
darüber klar werden, bei welchen Tätigkeiten man so richtig aufgeht und
welche einen eher unter- oder überfordern. Csikszentmihalyi schlägt
dazu ein kleines Arbeitstagebuch vor, das zwei oder drei Wochen lang
geführt wird.
- Sinn
stellt sich bei
der Arbeit nur dann ein, wenn man aktiv dafür etwas tut. Eintönige
Tätigkeiten lassen sich anreichern, indem man die Menschen sieht, für
die sie bestimmt sind. Diesen Menschen eine E-Mail schreiben, sie
ansprechen, zusätzlich etwas für sie tun – das erscheint sinnvoll.
- Gegen
Langeweile hilft eine ähnliche Strategie, nämlich das Neue in der
Routine zu entdecken. Was bedeutet ein Arbeitsschritt eigentlich? Was
kann ich aus ihm herausholen? Alle diese Fragen führen zu Offenheit und
Neugier. Zudem sollte man sich bei tristen Tätigkeiten fragen, ob und
wie man die Anforderungen erhöhen kann.
- Prioritäten
setzen, Entspannung oder ein Wechsel der Tätigkeiten hilft bei zu viel
Stress. Aber man kann Stress auch als hohe Anforderung auffassen, für
die nur die Fähigkeiten momentan noch nicht ausreichen. Wenn man seine
Fertigkeiten aus Eigeninitiative heraus verbessert, z.B. durch eine
Fortbildung, bewältigt man nicht nur den Stress, sondern wächst auch
persönlich daran.
Mit diesen
Maßnahmen wird die Basis für mehr Flow am Arbeitsplatz geschaffen.
Falls dies alles nichts nützt, sollte man sich, so Mihaly
Csikszentmihalyi, allerdings fragen, ob man auf Flow und Erfüllung noch
länger verzichtet oder nicht lieber den Job wechselt. Mehr
zu Csikszentmihalyi.
tf
– Quelle: Csikszentmihalyi, M. (1997). Finding flow: The psychology of
engagement with everyday life. New York: HarperCollins.
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