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Lernen von Peter M. Wald

Jobsuche wird zum Service von Unternehmen

8. November 2017

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Der Mangel an IT-Spezialisten in Deutschland führt zu einem neuen selbstbewussten Rollenverständnis von Berufsstartern. IT-Talente sehen die Überzeugungsarbeit im Bewerbungsprozess dabei zunehmend auf Seiten der Arbeitgeber. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und des Karriereportals „get in IT“.

Initiale Kontaktaufnahme durch Arbeitgeber bevorzugt

So bevorzugen 78 Prozent der befragten Teilnehmer die initiale Kontaktaufnahme durch den Arbeitgeber bevor es zum eigentlichen Bewerbungsprozess kommt. Für 62 Prozent sollte dieser Erstkontakt sogar von einem Mitarbeiter der IT-Fachabteilung – also auf fachlicher Augenhöhe – erfolgen.

IT-Talente sind weiterhin von ihren guten beruflichen Perspektiven überzeugt. 89 Prozent gehen von guten oder sehr guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. Das ist im Vergleich zu 2015 eine Steigerung um fünf Prozent. Viele sind schon während des Studiums begehrt, was ihr Selbstbewusstsein früh stärkt. So gibt die Hälfte der Befragten an, schon einmal von einem Headhunter angesprochen worden zu sein.

Doch auch hier haben die jungen Talente eine klare Vorstellung davon, wie die Ansprache funktionieren soll. So bevorzugen 97 Prozent die Ansprache durch Vertreter des Unternehmens selbst und nicht durch externe Berater. „Mehr als die Hälfte der Berufsstarter im IT-Umfeld sind eigenen Angaben zufolge ausschließlich passiv auf Jobsuche – also offen für Angebote, aber weniger bereit, selbst dafür aktiv zu werden", so Rainer Weckbach, Gründer und Geschäftsführer von „get in IT“. Das werde ganz offenbar als Aufgabe der Arbeitgeber verstanden. Interessant sei dabei die Rolle der Kollegen in den Fachabteilungen, die ganz klar als Job-Botschafter gewünscht werden.

Arbeitgeber verzichten auf Anzeigenschaltungen

Die Arbeitgeber scheinen sich auf das neue Anspruchsdenken der Kandidaten bereits einzustellen. Immer mehr von ihnen verzichten auf die bisher gängige Anzeigenschaltung. So wurden 65 Prozent der angehenden IT-Spezialisten bereits direkt von Unternehmensvertretern auf den Berufseinstieg angesprochen.

Die besten Chancen haben dabei Arbeitgeber, die es schaffen, ihre Werte klar zu transportieren – für zwei Drittel der Kandidaten ein entscheidendes Argument bei der Arbeitgeberwahl. Zudem bevorzugen IT-Talente diejenigen Unternehmen, die sich mit dem spezifischen Fachprofil des Kandidaten auseinandersetzen und dies auch in ihrer Kontaktanfrage berücksichtigen (67 Prozent).

Außerdem entscheidend: gute fachliche Entwicklungsmöglichkeiten, die in der Bedürfnishierarchie deutlich vor einer Führungskarriere liegen. Nur noch 16 Prozent der Befragten sind daran interessiert, mittelfristig Führungsaufgaben zu übernehmen – im vergangenen Jahr waren das immerhin noch 21 Prozent.

„Die Studie zeigt deutlich, dass IT-Talente bereits vor dem Eintritt in das Berufsleben ihren Marktwert kennen", erklärt Peter M. Wald, Professor für Personalmanagement an der HTWK Leipzig. „Sie wissen wie, von wem und mit welchen Argumenten sie bereit sind, über ein berufliches Engagement zu verhandeln.“

Studie mit 1.069 Teilnehmern

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An der Befragung zur Studie „get started 2017“ der HTWK Leipzig und „get in IT“ im Mai bis Juni 2017 beteiligten sich insgesamt 1.069 Teilnehmer. Die Befragung wurde über einen Online-Fragebogen durchgeführt. 45,5 Prozent der Teilnehmer waren zum Zeitpunkt der Befragung Studierende im IT-Bereich, 54,5 Prozent IT-Berufsstarter mit erster Berufserfahrung. Das Durchschnittsalter bei den Berufstätigen betrug 31, bei den Studierenden 24 Jahre. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von Professor Peter M. Wald von der HTWK Leipzig.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden:
www.get-in-IT.de/whitepaper

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