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Lernen von Sarah Nies und Knut Tullius

Generation Y will mitentscheiden

Studie zu Erwartungen und Verhaltensweisen junger Arbeitnehmer

8. September 2017

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Wie wollen junge Menschen arbeiten? Welche Ansprüche stellen sie als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Und wie wichtig ist ihnen Mitsprache und Mitbestimmung im Job? Wissenschaftler vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF München) und vom Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) an der Universität Göttingen haben Interessen und Beteiligungsansprüche jüngerer Beschäftigter untersucht.

Der sogenannten „Generation Y“, also den zwischen 1980 und 1999 Geborenen, wird häufig nachgesagt, sie sei vor allem an Selbstverwirklichung und Freizeit interessiert. Die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie von Dr. Sarah Nies und Dr. Knut Tullius kommt zu einem anderen Ergebnis. Die Forscher werteten dazu ausführliche Interviews mit abhängig Beschäftigten unter 35 Jahren in verschiedenen Branchen aus. Dabei zeigte sich: Die jungen Arbeitnehmer verfügen über einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Solidarität. Sie wollen am Arbeitsplatz mitentscheiden und halten eine betriebliche oder gewerkschaftliche Interessenvertretung für notwendig.

Krisenhafte Erfahrungen beim Berufseinstieg hinterlassen ihre Spuren bei jüngeren Beschäftigten

In vielen Punkten unterschieden sich die jüngeren laut Studie nicht wesentlich von älteren Beschäftigten – ein grundlegender Wertewandel sei bezogen auf Arbeit und Betrieb nicht erkennbar. Auffällig seien dagegen die Berichte der unter 35-jährigen über ihren fast durchweg durch Krisen geprägten Einstieg in die Arbeitswelt. In ihren wenigen Berufsjahren haben sie bereits mehrere (Wirtschafts-)Krisen erlebt, verbunden mit Entlassungen und Umbrüchen in den Betrieben. Viele von ihnen mussten von Beginn an mit prekären oder befristeten Beschäftigungsverhältnissen umgehen.

Diese weit verbreitete Erfahrung hat Spuren hinterlassen: Die Wissenschaftler stellen eine „gewisse Anspannung“ unter den jungen Beschäftigten fest. Bei vielen habe sich – trotz großer Anpassungsfähigkeit – ein Gefühl der Unsicherheit festgesetzt, das selbst dann noch anhält, wenn sie eine unbefristete Vollzeitstelle gefunden haben. Die Folge: Aus Angst um den Arbeitsplatz trauten sich viele nicht, gerechtfertigte Forderungen zu stellen oder Grenzen zu setzen, so die Forscher. Die älteren Beschäftigten litten zwar genauso unter den Arbeitsbedingungen der jüngsten Zeit, aber sie könnten häufig Selbstbewusstsein aus früheren, „besseren“ Zeiten ihres Berufslebens ziehen.

Generation Y denkt zwar individualistisch, verhält sich aber solidarisch

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Der Studie zufolge sind die Jüngeren eher bereit, Entscheidungen der Unternehmensführung zu akzeptieren, die mit „Sachzwängen“ oder „Anforderungen des Marktes“ begründet werden. Möglicherweise habe „die Durchsetzung von Wettbewerb und Marktprinzipien auf allen gesellschaftlichen Ebenen ihre Spuren in den Köpfen der jungen Generation hinterlassen“, schreiben die Wissenschaftler. Erst mit zunehmender Erfahrung wachse ihre kritische Distanz.
Auch wenn die unter 35-Jährigen überwiegend individualistisch denken, zeige die Studie, dass sie sich nicht unsolidarisch oder ausgrenzend verhielten. Sie bewerten Gewerkschaften und Betriebsräte grundsätzlich positiv – und sehen darin eine „wichtige Gegenmacht“ zum Management. Das Modell der sozialpartnerschaftlichen „Stellvertreterpolitik“ stellen die Interviewten nicht infrage.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Nies, S. & Tullius, K. (Hans-Böckler-Stiftung). (2017). Zwischen Übergang und Etablierung. Beteiligungsansprüche und Interessenorientierungen jüngerer Erwerbstätiger. Online verfügbar unter https://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_357.pdf

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