Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Lernen von Manfred Seifert

Von ethnologischem Interesse: Bewerber und ihre Gefühle

9. Mai 2017

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Mit „starken Gefühlen“ ist eine Bewerbung auf eine neue Job-Position bei mehr als vier von fünf Kandidatinnen und Kandidaten verbunden. Die Bewerber verglichen die Bewerbung als Lebenssituation mit Partnerschaft und Partnersuche oder auch mit Prüfungsszenarien. Das ist das Ergebnis einer Studie mit 100 Tiefeninterviews mit Bewerberinnen und Bewerbern, die Professor Manfred Seifert vom Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg in Zusammenarbeit mit der E-Recruitingplattform Softgarden durchführte. Den Interviews ging eine quantitative Online-Umfrage mit rund 3 500 Bewerberinnen und Bewerbern voraus.

Vielfältige Gefühle

Den Bewerber an sich gibt es nicht und die eine Erfahrung bei der Bewerbung auch nicht – je nach Typ und Vorerfahrung lösen die Prozesse unterschiedliche Emotionen aus. Allerdings identifizierte der Ethnologe eine Vielzahl verschiedener Stimmungslagen. Da gibt es die selbstsicheren Macher mit Nehmerqualitäten und hohen Ansprüchen, die sich auf die mit der Bewerbung verbundenen Veränderungen freuen und eher optimistisch gestimmt sind neben solchen, die starke Empfindungen von Machtlosigkeit oder Sorge durchleben. Bei einigen Bewerbern kommt im Lauf des Verfahrens die ganze Bandbreite der Gefühle vor. Als „schwankend, schwankend, immer sehr schwankend“ bezeichnete eine Interviewpartnerin ihre Emotionen im Bewerbungsverfahren, andere sprachen von einer „Achterbahnfahrt“.  

Menschlichkeit gefordert

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Viele Interviewpartner empfinden den Umgang von Arbeitgebern mit Bewerbern als unangemessen oder gar respektlos. Dabei spielen vor allem die „gefühlt“ zu lange Dauer des Prozesses eine Rolle, ebenfalls die Enttäuschung darüber, oft keine Rückmeldungen oder lediglich einen Zwischenstand zu bekommen oder automatisierte Standardabsagen zu erhalten. Bewerber wiesen im Gespräch mit den Ethnologen immer wieder darauf hin, nicht menschlich, nicht individuell behandelt worden zu sein: „Also man bewirbt sich ja als Person, als Mensch und ich werde aber eigentlich behandelt als eine Ware, die auf amazon.de angeboten wird“, so eine Interviewpartnerin.

„Die Bewerbung ist ein Schwellenmoment, in dem die Bewerber Anschluss oder Fortsetzung auf dem Arbeitsmarkt suchen. Technische oder juristische Rahmenbedingungen spielen ebenso eine Rolle wie die Verhältnisse auf den Arbeitsmärkten. Menschen setzen sich besonders intensiv mit ihren persönlichen Herausforderungen, aber auch mit Wünschen an die Arbeitswelt auseinander“, sagt Seifert.  

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Die Ergebnisse der Interviewanalysen wie auch der quantitativen Umfrage stehen als E-Book zum Download unter www.softgarden.de/studien zur Verfügung.

Im Themenschwerpunkt „Leadership reloaded“ stehen neue Erkenntnisse zu Leadership Development, Führung im digitalen Zeitalter, Mindful Leadership sowie negativen Folgen von ausnutzender Führung.

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