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Lernen von Michail Kosinski

Und es stimmt doch: Gleich und gleich gesellt sich gern

8. Mai 2017

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Eine neue Studie widerlegt die vorhandene Forschung zur Auswahl von Freunden und Partnern. „Bisher zeigten die Ergebnisse von psychologischen Studien, dass Freunde und Partner sich nicht in ihrer Persönlichkeit ähneln, obwohl wir intuitiv davon ausgehen, dass sie genau das tun. Wir fragten uns deshalb, ob die Wissenschaftler dabei etwas übersehen haben“. Das sagt Michal Kosinski, Assistent Professor für Organizational Behavior an der Stanford Graduate School of Business in Kalifornien. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht.

Persönlichkeit wird üblicherweise mit Fragebögen analysiert, bei denen Personen Fragen zu sich selbst beantworten. Dabei bewerten sich die Befragten oftmals im Kontext ihrer „Peers“. Ein Introvertierter, der in der Gruppe seiner introvertierten Freunde derjenige ist, der am meisten aus sich herausgeht, könnte sich dann als extrovertiert beschreiben – was eher einem subjektiven Urteil als einer objektiven Messung entspricht. Das Phänomen wird als „Referenzgruppen-Effekt“ bezeichnet. Kosinski und seine drei Kollegen gingen nun einen anderen Weg, um die Persönlichkeit zu ergründen. Sie nutzten Big Data und zwar die Facebook-Likes, mit denen User zeigten, dass sie mit einem Beitrag oder einer Meinung einverstanden waren und sie untersuchten ihre Wortwahl in eigenen Posts und Antworten.

Digitale Fußabdrücke sind schwer zu fälschen

„Digitale Fußabdrücke, die jemand bei Facebook hinterlässt, funktionieren gut, um seine Persönlichkeit zu analysieren“, sagt Kosinski, der auch das „My Personality Project” koordiniert, einen globalen Zusammenschluss von mehr als 100 Universitäten, der die digitalen Daten von acht Millionen Freiwilligen untersuchen. „Die Nutzer loggen sich täglich in Facebook ein, hinterlassen ihre digitalen Spuren und halten das für ganz normal.“ Das unterscheide sich von dem Verhalten, wenn jemand einen Fragebogen ausfüllt oder im Labor beobachtet wird. „Wenn Menschen realisieren, dass sie beobachtet werden, dann verhalten sie sich nicht mehr natürlich und ändern ihre Antworten und ihr Verhalten.“  Im Gegensatz dazu seien Daten zum eigenen Verhalten, die jemand auf Facebook oder anderen digitalen Plattformen über Jahre hinweg hinterlässt, viel schwerer zu fälschen. Kosinski ist überzeugt, dass diese Daten die Persönlichkeit mindestens so exakt messen wie traditionelle Methoden. Diese Ergebnisse können in Bereichen hilfreich sein, wo es auf die Erfassung der Persönlichkeit ankommt, wie bei der Einstellung und Personalarbeit etwa bei der Zusammenstellung von effektiven Teams.

Neben der Vermeidung des „Referenzgruppen-Effekts“ bieten Bewertungen aufgrund digitaler Daten noch weitere Vorteile, so Kosinski. Sie könnten auch für große Populationen angewandt werden und schnell und ohne große Kosten verwaltet werden. Werden sie richtig genutzt, könnten persönliche Assessments auf Basis digitaler Daten sogar genauer als traditionelle Methoden sein, was dem Unternehmen und dem Individuum nutze.

Referenzgruppen-Effekt verfälscht Persönlichkeitsmaße

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Diese neue Studie entstand aus früheren Studien Kosinskis zu dem Thema, wobei sie sich möglicherweise sogar als diejenige mit den wichtigsten Schlussfolgerungen entpuppen könnte: „Ohne es zu planen, haben wir den großen Einfluss des Referenzgruppen-Effekts auf traditionelle Testergebnisse gefunden und das kann bedeuten, dass einiges, was wir bisher über die Persönlichkeitspsychologie geglaubt haben, nicht wahr ist. Es stellt sich die Frage, wie viele andere etablierte Wahrheiten der Psychologie wegen dieses Effekts falsch oder ungenau sind.“ Zumindest schürt die Studie Zweifel an der Annahme, dass Gegensätze sich anziehen. Das könne sein, sei aber eher die Ausnahme als die Regel, sagt Kosinski: “Die meisten unserer Interaktionen haben wir mit Menschen, die uns sehr ähnlich sind.”

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Wu Youyou, David Stillwell (Cambridge University), H. Andrew Schwartz (Stony Brook University) & Michail Kosinski (Cambridge University). (2017). Birds of a Feather Do Flock Together. Behavior-Based Personality-Assessment Method Reveals Personality Similarity Among Couples and Friends [Abstract]. Psychological Science, 28(3), 276-284.

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